Bleek, Wilhelm Heinrich Immanuel

Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek an Ernst Haeckel, Kapstadt, 2. Oktober 1868

Kapstadt, d 2 Okt. 1868

Mein lieber Ernst,

Ich muß Dir sehr danken für Deinen Brief vom 11 August, und für die äußerst interessante Schrift „Über die Entstehung und den Stammbaum des Menschengeschlechts“, habe auch vielen Dank für alles was Du in Bezug auf mein Schriftchen gethan hast. – Ich bin begierig es zu sehen. Aber noch viela mehr freue ich mich auf das versprochene Exemplar Deiner || Vorträge Über Natürliche Schöpfungsgeschichte. – Was die Eintheilung der Menschen in Rassen betrifft, so scheint mir dies eine der schwierigsten Fragen zu sein, namentlich wegen der beständigen Mischungen. Mir scheint es z.B. b wahrscheinlich, daß die Malaien eine Mischrassen sind vonc Negritos und Hellen, oder Weißlichen. Mir hat es immer wie Dir, wahrscheinlich geschienen, daß || der ursprüngliche Mensch eine dunkele, wenn auch nicht schwarze, Farbe gehabt, und daß Civilisation u. Clima ihn ausgebleicht. – In Süd-Afrika ist es nicht unwahrscheinlich, daß wir diese Rassen zum wenigsten zu unterscheiden haben, indem die eigentlichen Buschmänner von den Hottentotten zu trennen sind als eine besondere Rasse. Ihre Sprache ist jedenfalls ganz verschieden. –

Was den Ursitz, oder die Wiege der Menschheit betrifft, || so scheint mir das tropische Afrika darauf größere Ansprüche zu haben als Asien. Erstens finden sich da die allermenschenähnlichsten Affen (Gorilla u. Schimpanse). Zweitens d während die Afrikanischen Sprachen alle entweder zum Sexuellen Sprachstamm gehören, oder siche demselben durch ihre Suffixmethode enge anschließen, – gibt es in Südafrika außer dem hier auch sich vorfindenden Sexuellen Sprach- || stamm auch Sprachen eines anderen Sprachstams, von dem sich in Asien keine Spuren finden, – ich meine den großen bei Neger-umfassenden Präfixpronominalstamm, zu dem auch die Sprachen der Negritos (Papuas) und Malaien gehören, – die letzteren durch Mischverhältnisse von dem ursprünglichen Typus sehr abweichend. – Im Punch Almanach 1868 finden sich ein komisches genealogisches || Bild, das nach darwinschen Prinzipien die allmählige Entwicklung der Figur von Punch in Ahnenbilder von 1666 – 1868 illustrirt. – Aber sollte man nicht die Ahnenreihe des Menschen mit Hülfe von theilweise allerdings sehr hypothetischen Zeichnungen illustriren können. Ich möchte gerne so ein solches Blatt sehen, und es würde es vielen die Idee vielmehr veranschaulichen. || Ich hoffe um diese Zeit geht es Deiner lieben Frau ganz gut; und hat sich Deine Familie vergrößert. – Meine Familie ist seit Anfang vorigen Monats an der See (in der Kalkbay, einem Theile der Falschen Bay, sieben Englische Meilen diesseits der Simonsbay). Sie werden bis Ende dieses Monats dort bleiben. – Grüße Deine Frau herzlich von mir, u. auch Deine Eltern wenn Du sie siehst, Dein getreuer Vetter

Wilhelm

a eingef.: viel; b gestr.: daß; c gestr.: zwischen; d gestr.: gib; e korr. aus: aus

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
02-10-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 7049
ID
7049