Bleek, Auguste

Auguste Bleek an Ernst Haeckel, Bonn, 1. September 1866

Bonn den 1t Septbr. 66.

Lieber Ernst!

Eine Bitte in Wilhelms letztem Brief führt mich heute zu Dir.

Wilhelm beschäftigt sich jetzt sehr eifrig mit dem Studium der Buschmannsprache. Er bringt zu dem Ende jetzt wöchentlich drei Mal ein Paar Stunden bei ein Paar Buschmännern im Gefängniß der Capstadt zu, um die Sprache besonders die verschiedenartigen Schnalzlaute dieser „äußerst merkwürdigen, noch fast ganz unerforschten Sprache“ zu lernen. Er bittet uns „Ernst Häckel oder sonst einen Professor der Zoologie zu ersuchen ihm mit zu theilen, ob es irgend ein Buch giebt, worin sich eine zuverlässige Beschreibung findet von den Lauten, die die Affen äußern und von der Weise in der sie hervorbracht werden. „Ich möchte besonders wissen, || schreibt er, ob sie schnalzen mit Zunge und Lippen und wie. Sollte sich irgendetwas zuverlässiges finden, so würde ich sehr für eine Abschrift verbunden sein; es kann ja nicht lang sein und ist für mich von größter Wichtigkeit.“

Ich erledige mich also hiermit meines Auftrags und wenn Du mir oder vielmehr Wilhelm die gewünschte Auskunft geben kannst, so bitte ich Dich sehr es mir bald zu kommen zu lassen. Ich habe gehört, daß Du im Septbr. eine größere Reise antreten willst; da Du aber den Winter auf derselben zubringen willst, so hoffe ich treffen Dich diese Zeilen noch zu Hause und Deine Eltern bei Dir, an die ich noch ein Paar Worte beilegen will.

Wenn Du es so einrichten kannst, so hoffe ich besuchst Du uns auf der Reise. Da ich keine Pensionärinnen mehr im Hause habe, so ist Platz genug da. Theodors Frau, Marie, ist mit ihren beiden Kindern bei uns, wohnt aber unten im Hause, da sie keine Treppe steigen darf. Lebewohl, lieber Ernst! wenn Du kannst nicht wahr, so erfüllst Du Wilhelms Bitte.

Deine alte Tante

Auguste Bleek.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
01-09-1866
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 7007
ID
7007