Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 16. Februar 1912

16. 2. 12

Sehr verehrter Herr Professor!

Zu Ihrem heutigen Geburtstage spreche ich Ihnen in gewohnter Weise meinen herzlichsten

Glückwunsch aus! Ich hoffe, daß das neue Jahr Ihnen wieder vieles Erfreuliche bringt und daß sich namentlich Ihre Gesundheit besser gestaltet. Ganz besonders aber wünsche ich, daß wir es nicht erleben, wie leitende Personen des Monistenbundes mehr und mehr || ins vitalistische Fahrwasser hinein gleiten. Hans Driesch hat kürzlich schon gesagt, Unold stehe einer nicht mechanistischen, vitalistischen Naturauffassung wohlwollend gegenüber.

Ich lese gerade ein brilliantes monistisches Buch des amerikanischen Professors Christian

Herter: „Biological Aspects of Human Problems“. Die ersten 3 Kapitel behandeln „Den

Tierkörper als Maschine“. Wenn der Verlag es erlaubt, will ich diese Abschnitte als Heft der Humboldt-Bibliothek herausgeben. Übersetzt habe ich sie schon im Laufe der vorigen Woche.

Das ganze Buch (bei Macmillan in New York erschienen) ist stramm monistisch und vorzüglich geschrieben, dabei durchaus leicht verständlich.

Wie ich erfahre, erscheint in wenigen Wochen auch ein neues Werk von J.G. Vogt: „Der

absolute Monismus“. Das nächste Heft der N.W.A. bringt einen Aufsatz über Vogt, dessen

Bücher leider viel zu wenig bekannt sind.

Mit den herzlichsten Grüßen und besten Wünschen

verbleibe ich in alter Treue

Ihr dankbar ergebener Schüler

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
16-02-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6107
ID
6107