Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 31. Januar 1912

NEUE WELTANSCHAUUNG

ORGAN DES „HUMBOLDT-BUNDES FÜR

NATURWISSENSCHAFTLICHE WELTANSCHAUUNG“.

REDAKTION: DR. W. BREITENBACH, BRACKWEDE I. W.

BRACKWEDE, 31.1.12

Sehr geehrter Herr Professor!

Erst kürzlich habe ich Heft 1 des neuen „Handwörterbuches der Naturwissenschaften“ erhalten und ich muß Ihr Erstaunen über den Artikel „Aether“ teilen, in dem der physikalische

Aether und das wichtige Aetherproblem mit Stillschweigen übergangen wird. Wenn auch der vorliegende Aufsatz von einem Chemiker verfaßt ist, so hätte doch in einem anderen auch ein Physiker das Wort ergreifen müßen, um das || Notwendige über den Gegenstand zu sagen. Über dieses auffallende Totschweigen habe ich für die N.W.A. einige Zeilen geschrieben.

Der Hauptredakteur des Handwörterbuches, Dr. Teichmann, ist, soviel ich weiß, an der

Frankfurter Zeitung angestellt. Ob er aber ein zuverlässiger Monist ist, kann ich nicht sagen. Auch mir ist schon mehrfach aufgefallen, daß er gerade Ihnen gegenüber eine recht unklare Stellung einnimmt.

Kürzlich hat ein Herr Dr. Pador mal wieder einmal versucht, Darwin als gottesfürchtigen Mann hinzustellen. Ich habe deshalb für || das Märzheft der N.W.A. einen Aufsatz über

Darwins Weltanschauung“ geschrieben. Im Februarheft werden Sie nächste Woche einen

interessanten Aufsatz über „Katholische Wissenschaft“ finden. Der Verfasser ist ein in Aachen angestellter kath. Historiker, dessen Name jetzt natürlich nicht genannt werden darf, da der Herr sonst wohl sofort seine Stellung verlieren würde. Ich hoffe, er wird noch mehr für mich schreiben.

Mit besten Grüßen in alter Treue

Ihr ergebenster Schüler

Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
31-01-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6102
ID
6102