Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Brackwede, 12. Januar 1910

NEUE WELTANSCHAUUNG

MONATSSCHRIFT FÜR KULTURFORTSCHRITT…

AUF NATURWISSENSCHAFTLICHER GRUNDLAGE

REDAKTION: DR. W. BREITENBACH, BRACKWEDE I. W.

GESCHÄFTSSTELLE: STUTTGART

BRACKWEDE, 12.1.1910.

Sehr geehrter Herr Professor!

Besten Dank für Ihren freundl. Brief vom 9. d. M. und die schöne Postkarte. Die Bestellung für Ihren Herrn Sohn habe ich nach Stuttgart weiter gegeben und ich hoffe, daß Alles

prompt erledigt wird. Frau Elita Simon hat auch mir wiederholt geschrieben und mich

aufgefordert, mich an ihrem Unternehmen zu beteiligen. Der mir vorgelegte Vertragsentwurf

war aber so unsinnig, daß ich rundweg ablehnen mußte. Seit dieser Zeit höre ich nichts mehr und erhalte auch || den „Freien Horst“ nicht mehr zugeschickt. In den hier befindlichen Heften steht übrigens nichts besonderes.

Vor einigen Tagen war ich in Detmold und habe eine großartige Ausstellung peruanischer

Altertümer besichtigt, die mein alter Schul- und Studienfreund E. Gaffron in Lima dem

dortigen Museum geschenkt hat. Es sind ganz wundervolle Sachen, die den Beweis liefern,

daß die alten Peruaner eine sehr hohe Kultur beseßen haben müßen.

Von Meisenheimers Ritter-Professur las ich, auch hörte ich, daß Plate einen Versuch gemacht

habe, sich Ihnen weiter zu nähern. Es gibt gewisse Dinge, die man nicht gut rückgängig machen kann und so muß Plate die Folgen seines ganz || unglaublichen Benehmens eben tragen – und mit vollem Recht. Alle anständig gesinnten Leute sind auf Ihrer Seite.

Für die „Neue Weltanschauung“ suche ich einen neuen Verleger; der bisherige Lehmann, ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten, die Gläubiger haben aus dem Verlag eine G.m.b.H. gebildet und ob diese die Zeitschrift mit der nötigen Energie weiterführen wird, ist mir nicht ganz klar. Es wird sich sehr bald entscheiden, wie sich die Sache gestaltet.

Vom Monistenbund höre ich gar nichts, nur dann und wann wundert sich ein Briefschreiber

mir gegenüber, daß der Bund mich augenscheinlich systematisch totschweigt. Übrigens sind die Vorträge in Berlin || mit Ausnahme desjenigen von Ostwald schlecht besucht gewesen. Daß die Herren in Berlin über Geldmangel klagen, ist bei einer so kostspieligen Verwaltung selbstverständlich. Aus den größeren Ortsgruppen hört man auch wenig. Die meisten Klagen höre ich über die Redaktion der Zeitschrift „Monismus“, deren Inhalt allerdings sehr zu wünschen übrig läßt. Es fehlt im Vorstand des Bundes ein Naturwissenschaftler als Vertreter der Entwickelungslehre.

Ihre Wünsche für das Aufblühen meiner Zeitschrift haben mich sehr erfreut und ich hoffe

Ihnen im Frühjahr einmal mündlich berichten zu können.

Mit den besten Wünschen für Ihre fernere Gesundheit und herzlichen Grüßen

Ihr dankbar ergebener Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
12-01-1910
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 6076
ID
6076