Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Odenkirchen, 3. Mai 1901

WILH. BREITENBACH

DR. PHIL.

ODENKIRCHEN, DEN 3. Mai 1901

Sehr verehrter Herr Professor!

Zu Ihrer glücklichen Rückkehr von Ihrer Reise nach „Insulinde“ spreche ich Ihnen noch

einmal den herzlichsten Glückwunsch aus. Möge die schöne Reise alles das erfüllt haben, was Sie von ihr erwarteten.

Mein heutiges Schreiben bezweckt folgendes:

In den letzten Monaten hat sich der Plan in mir gefestigt, eine fortlaufende Sammlung von

Vorträgen und Abhandlungen allgemeinverständlicher Art aus dem Gesammtgebiet der

Entwicklungslehre heraus zu geben. Zu diesem Zweck habe ich vor einigen Wochen das beiliegende Rundschreiben an eine Zahl von Autoren gesandt, deren Adresse mir bekannt war. Viele der Herren haben das Unternehmen freudig begrüsst, andere haben mir einen Beitrag bereits fest zugesagt, noch andere bedauerten jetzt keine Zeit zu haben, stellten mir aber für später einen Beitrag in Aussicht. Unter denen, die fest zugesagt haben, befinden sich die z.B. die Professoren Plate und Jaekel in Berlin, Simroth || in Leipzig und W. Bölsche.

Ich gestatte mir, Ihnen von meinem Unternehmen Kenntniss zu geben mit der ergebensten

Bitte mir sagen zu wollen, was Sie davon halten und ob Sie glauben, dass eine solche Sammlung angebracht und zeitgemäss ist. Wenn Sie den Plan billigen, bitte ich Sie mir

freundlichst einige Zeilen darüber zu schreiben, die ich dem ersten Hefte, das wahrscheinlich

im Juni erscheinen wird, beigeben könnte. Ich beabsichtige, im Laufe des Sommersemesters,

wahrscheinlich gegen Ende Juni, nach Jena zu kommen, um hier einige Tage zu

verbleiben und einige Ausflüge in den Thüringer Wald zu machen. Bei dieser Gelegenheit

werde ich mir erlauben, bei Ihnen vorzusprechen, da ich schon seit Jahren den Herzenswunsch habe, Sie wieder einmal zu sehen.

Inzwischen habe ich mit grossem Interesse Ihre schönen Reisebriefe in der Rundschau gelesen und bin gespannt auf die Fortsetzung. Die Schilderung der grossartigen Institute des

Prof. || Treub hat mich aufs höchste überrascht, da ich mir die Anlagen denn doch nicht so grossartig vorgestellt hatte. Es würde mich freuen, wenn es mir diesen Sommer möglich wäre, einen Theil der Sammlungen, welche Sie mitgebracht haben, besichtigen zu können.

Mit den herzlichsten Grüssen verbleibe ich, verehrtester Herr Professor, in alter Treue

Ihr ergebenster Schüler Dr. W. Breitenbach

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
03-05-1901
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 5980
ID
5980