Breitenbach, Wilhelm

Wilhelm Breitenbach an Ernst Haeckel, Unna, 28. August 1877

Unna. 28. Aug. 1877.

Verehrtester Herr Professor,

Ich bitte Sie von vornherein um Entschuldigung, daß ich Sie mit einer Bitte belästige. Ich

möchte die Ferien gern benutzen, um eine selbstständige Arbeit zu machen. Da ich nun

hier absolut kein Material bekommen kann, und auch so recht nicht weiß, wo ich Ausbeute

zu erwarten hätte, so erlaube ich mir, Sie zu bitten, mir doch, wenn möglich eine Aufgabe

zu stellen und mir etwas Untersuchungsmaterial zukommen zu lassen. Ich würde Ihnen

dafür zu tiefstem Dank verpflichtet sein. Am liebsten hätte ich eine Arbeit über niedere

Thiere, indeßen stelle ich das ganz in Ihr Belieben. Ich werde das was Sie mir event. als

Aufgabe stellen, mit gleicher Lust und Liebe zur Sache in Angriff nehmen und hoffentlich

dann auch irgend ein Resultat erzielen.

Meine Untersuchungen an Schmetterlingsrüsseln ruhen augenblicklich; da ich mir || erst

namentlich australische Schmetterlinge verschrieben habe, und dieselben wol so bald

nicht in meinen Besitz gelangen werden. Daher die Bitte an Sie, die ich nicht so aufzufassen

ersuche, als habe ich Sie ohne Grund belästigen wollen. Ich hoffe Ihnen bei Beginn

nächsten Semesters wenigstens schon ein gutes Stück der Arbeit vorlegen zu können,

wenn es mir nicht möglich sein sollte, dieselbe ganz fertig zu stellen.

Inzwischen genehmigen Sie die Versicherung vorzüglichster Hochachtung

Ihres ganz ergebenen Schülers

Wilhelm Breitenbach

stud. rer. nat.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
28-08-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 5915
ID
5915