Schmidt, Moriz

Moriz Schmidt (Dekan) an die philosophische Fakultät der Universität Jena, Jena, 11. 16. Januar 1883

Senior venerande,

Assessores gravissimi,

Die Reihe zur Übernahme des Decanats für das nächste Sommer-Semester 1883 ist an mir selbst, da ich gegenwärtig für Herrn Collegen Haeckel die Geschäfte führe, der nicht Tausch, sondern Vertretung wünschte. Ich erkläre mich bereit, dasselbe zu übernehmen.

Jena d. 11. 1. 83.

Hochachtungsvoll

Moriz Schmidt Dr.

Decane maxime spectabilis.

Dem Decan zu seinem Amte Glück wünschend. | Snell | Ebenso. Stickel | vidi. E. E. Schmid | A. Schmidt

Eine Stellvertretung im Sinne Ew. Spectabilität gibt es in unserer Facultät nicht, sondern nur eine solche in Form eines Tausches. Deshalb ist Hr. College Haeckel aufzufordern das Decanat zu übernehmen. | A. Geuther

Obschon ich der Auffassung des Herrn Coll. Geuther nicht beipflichten kann und der Widerspruch schon am 15 Juny 1882 zu erheben gewesen wäre, so bin ich doch nicht gewillt, eine Differenz heraufzubeschwören, und frage daher Herrn Coll. Haeckel, ob er das Decanat zu übernehmen bereit ist.

Jena, d. 13/1 83.

Moriz Schmidt Dr.

h. t. Decanus. ||

Decane maxime spectabilis!

In dem Facultäts-Consesse vom 15. Juni 1882, in welchem, so viel ich mich erinnere, wenigstens 2/3 der Facultäts-Mitglieder anwesend waren, erklärte ich, daß ich wegen Überladung mit größeren dringenden Arbeiten im Laufe der nächsten Jahre das Decanat nicht übernehmen könne, und frug bei der Facultät an, ob es mir gestattet sei, an meiner Stelle ‒ nicht in Form des Tausches, sondern der Substitution ‒ einen der Herren Collegen um Übernahme des Dekanats zu ersuchen. Diese Frage wurde von den anwesenden Herren Collegen einstimmig bejaht und von keiner Seite ein Bedenken dagegen erhoben. In der That dürfte auch wohl kaum ein Bedenken der Art zu finden sein, da ich ja nur auf ein mir persönlich zustehendes, und mit verschiedenen Vortheilen verbundenes Recht zu Gunsten eines Anderen verzichte, und da durch diese persönliche Substitution Keiner der Herren Assessoren in seinen Rechten und Vortheilen beeinträchtigt wird. Ich war damals Ew. Spectabilität sehr dankbar, daß Sie für das laufende Winter-Semester die Führung des Decanats an meiner Stelle übernahmen, und da Sie für das nächste Semester jetzt an der Reihe sind, schließe ich mich den vom Herrn Senior abgestatteten Glückwünschen an.

Jena 13. Juni 1883. | Haeckel

Die strittige Sache scheint mir durch von dem Hr. Coll. Häckel erwähnten in dem Consess vom 15 Juni einstimmig gefaßten Facultätsbeschluß erledigt. | Snell | Ebenso. Stickel

Ob der Beschluß in dem von Herrn Collegen Häckel angegebenen Sinne gefaßt ist, wird das Protocoll erweisen; ich kann mich seiner nicht erinnern. Ein Verzicht zu Gunsten eines Andern ist nach meiner Meinung eine statutenwidrige Neuerung, für die ich ohne Weiteres nicht stimmen kann. Ich möchte indeß, wegen dieser Sache keinen Staub aufwirbeln und hoffe, daß eine allseitig zufriedenstellende Ausgleichung sich finden lassen wird. | E. E. Schmid.

Mir ist jeder Modus recht, wüßte aber nicht, daß die Statuten die Stellvertretung verbieten. | Ad. Schmidt

Ich habe die von Hrn. Coll. Haeckel im Consesse vom vorigen Sommer am Schlusse desselben vorgebrachte Decanatsfrage nicht im Sinne einer Substitution, sondern im Sinne eines ein- oder mehrmaligen Tausches verstanden. Ein Facultätsbeschluß ist, meines Wissens, nicht gefaßt worden, weil der Decanatstausch eine Sache privater Abmachung ist. Daß unsere Facultät den Modus der Decanats-„Stellvertretung“ („Substitution“) nicht kennt, weiß ich aus einer 20jährigen Erfahrung. Im Uebrigen Vidi! | A. Geuther | pr. Delbrück

Ich muß mich der Auffassung des Herrn Collegen Geuther anschließen. Würde einmal „Substitution“ in dem erwähnten Sinne zugelassen, so stünde kein Hinderniß im Wege, daß eine ganze Reihe von Collegen ihr Amt einem einzigen übertrügen, und das würde, wenn auch vielleicht nicht gegen den Buchstaben, so doch wohl gegen den Sinn der Statuten und gegen die bisherige Praxis sein. | R. Eucken

Wie der Herr Senior. Sievers | Desgl. Goetz | Wie der Herr Senior. Gelzer

Wenn das Decanat eine in der Facultät einflußreiche Stellung ist, so kann ich nicht dafür stimmen, daß dasselbe durch irgendwelche Abmachungen dauernd in die Hand weniger gelegt wird. | Thomae | Ebenso. Liebmann | Wie der Herr Senior. E. Stahl

Selbstverständlich werde ich ein Amt nicht übernehmen, dessen Antritt von nahezu der Hälfte der Herren Assessoren als illegal betrachtet wird: und ersuche daher Herrn Collegen Häckel nochmals um eine bestimmte Erkärung, ob er das Decanat übernehmen oder mit einem der Herrn Collegen einen Tausch eingehen will.

Jena d. 15. 1. 83

Moriz Schmidt Dr.

h. t. Decanus. ||

Decane maxime spectabilis!

Angesichts der vorstehenden Erklärungen scheint es mir zur Erledigung der obwaltenden Differenzen das Einfachste zu sein, wenn ich auf den oft betretenen Weg des wiederholten Tausches zurückkomme. Ich ersuche daher Ew. Spectabilität, bei dem nächstfolgenden Herrn Assessor, den die Reihenfolge trifft, anzufragen, ob er zur Übernahme des Decanats bereit ist. Selbstverständlich hat es mir völlig fern gelegen, eine ungesetzliche Neuerung in den Turnus unserer Decanats-Führung einführen zu wollen. Vielmehr glaubte ich – und glaube noch heute – vollkommen correct gehandelt zu haben, als ich in der mehrerwähnten Facultäts-Stitzung anfragte, ob ich zur Substitution eines persönlichen Stellvertreters berechtigt sei, und als dies einstimmig bejaht wurde, demgemäß verfuhr. Indem ich über das daraus entsprungene Mißverständniß mein Bedauern ausdrücke und Ew. Spectabilität meinen Dank für Ihre Amtsführung wiederhole, bleibe ich mit besten Wünschen für den Herrn Amts-Nachfolger

Hochachtungsvoll

Haeckel

Jena 16 Januar 1883 ||

Nach dieser Erklärung des Herrn Collegen Häckel frage ich weiter bei Herrn Collegen Delbrück an, ob er das Decanat im Sommer d. J. führen wolle.

Jena 16/1 83.

Hochachtungsvoll

Moriz Schmidt

Zu meinem aufrichtigen Bedauern bin ich nicht wohl in der Lage, im Sommer das Decanat zu führen, da ich (abgesehen von andern Gründen) vermuthlich sobald als möglich nach dem actuellen Schluß des Semesters verreisen werde, und dann wieder Stellvertretung in Anspruch nehmen müßte. Ich möchte daher bitten mir zu gestatten, daß ich erst im Winter (wenn ich selbst an der Reihe bin) das Amt übernehme. | Delbrück

Danach habe ich an Herrn Collegen Eucken dieselbe Anfrage zu richten.

Hochachtungsvoll

Moriz Schmidt Dr.

J. 16/1 83.

Obschon ich im nächsten Semester durch literarische Arbeiten sehr in Anspruch genommen bin, so glaube ich mich doch dem Amte nicht entziehen zu dürfen und erkläre mich also bereit das Decanat im Sommer d. J. zu führen.| J. 16/1 83.

Hochachtungvoll

R. Eucken

pr. Snell | A. Schmidt | Stickel | E. E. Schmid | A. Geuther | Sievers | Goetz | Thomae | Liebmann | pr. Gelzer | Stahl

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
16-01-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
UAJ
Signatur
UAJ, M 705, Bl. 36r-38v
ID
50386