Türcke, August Freiherr von

Von August Freiherr von Türcke (Kurator) an Ernst Haeckel, Jena, 28. Januar 1880

Sr. Hochwohlgeboren | dem Herrn Ordentlichen Professor Dr. Haeckel | dahier.

Ew. Hochwohlgeboren

beehre ich mich hierbei die Abschrift eines hohen Rescripts des Großherzoglichen Staatsministeriums Departement a des Cultus zu Weimar vom 22./27. dieses Monats, das Project zur Herstellung eines Gebäudes für die zoologischen Anstalten betreffend, zu gefälliger Kenntnißnahme zu übersenden.

Mit vorzüglichster Hochachtung

Ew. Hochwohlgeboren

ergebenster

Dr. A. Frhr. v. Türcke

Jena, | den 28. Januar 1880. ||

Abschrift.

Wenn auch über das Ergebniß der Untersuchung der für ein neues zoologisches Institut zunächst in Aussicht genommenen Bauplätze im botanischen Garten und im landwirtschaftlich-botanischen Garten ein eingehender Bericht des Großherzoglichen Oberbaudirectors noch nicht vorliegt, so erscheint es doch nach vorläufiger Mittheilung desselben nicht als unwahrscheinlich, daß es sich als räthlich herausstellen werde, von der Wahl des einen oder anderen dieser Bauplätze wegen der hervorgetretenen Terrainschwierigkeiten und sonstigen Bedenken abzusehen.

Inmittelst ist nun auch auf ein anderes Grundstück, den Garten beim vormals Döbereinerʼschen Hause, als auf einen geeigneten Bauplatz aufmerksam gemacht, in Folge dessen aber dem unterzeichneten Staats-Ministerium zugleich die Frage nahe gelegt worden, ob es nicht thunlich sein werde, die zoologische Anstalt in einer dem Bedürfniß ausreichend entsprechenden Weise in dem Döbereinerʼschen Hause selbst unterzubringen – eine Frage, die um so mehr der Erwägung werth ist, als man auf diese Weise nicht nur bei Weitem billiger, sondern auch voraussichtlich viel früher zum Ziele gelangen würde, als durch einen Neubau.

Endlich könnte auch noch, falls ein Neubau sich doch nicht umgehen lassen sollte, der der katholischen Kirche gehörige Garten neben dem Sternwartengrundstück, über dessen Akquisition zur Zeit noch Verhandlungen schweben, als Bauplatz unter der Voraussetzung in Frage gezogen werden, daß das Gebäude auf diesem Grundstück ohne Beeinträchtigung der Interessen der Sternwarte errichtet werden kann. Den Großherzoglichen Oberbaudirector haben wir beauftragt, die zunächst erforderlichen Terrain- und Gebäudeuntersuchungen ehebaldigst und zwar – was die Bauplätze anlangt – unter Zuziehung des Architekten Timler vorzunehmen, auch den Herrn Universitätscurator und den Herrn Professor Dr. Häckel zur Theilnahme an der Besichtigung einzuladen. Wir veranlassen die Universitätscuratel zu Jena, dies den Direktoren der zoologischen und botanischen Anstalt zur Kenntniß zu bringen, dieselben aber auch zugleich darauf aufmerksam zu machen, daß von solcher weiteren Erörterung eine Verzögerung der Angelegenheit um so weniger zu besorgen steht, als es für den Fall, daß man doch zu einem Neubau zu schreiten genöthigt wäre, nicht thunlich sein würde, diesen Bau vor dem Frühjahr des Jahres 1881 beginnen zu lassen. Denn die Verwilligung der für den Bau erforderlichen Summen, mag dieselbe nun aus privaten Mitteln des Großherzoglichen Staatsfiskus oder aus Universitätsmitteln erfolgen, ist nicht vor || dem Herbst des laufenden Jahres zu erhoffen, da der Zusammentritt ebensowohl des diesseitigen Landtages als der Altenburgischen Landschaft, von deren Entschließung das Verfügbarwerden der erforderlichen Mittel zunächst abhängt, nicht vor der angegebenen Zeit zu erwarten ist.

Weimar, den 22. Januar 1880.

Großherzoglich sächsisches Staats-Ministerium,

Departement des Cultus.

Stichling.

An die Universitätscuratel | zu | Jena.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
28-01-1880
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 49648
ID
49648