Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 3. – 5. Dezember 1877

Potsdam 3/12 77.

Mein lieber Ernst!

Wie leid ist es mir, daß Du mein, lieber Herzens Sohn krank warst. Du Aermster hast wohl viel Schmerzen gehabt. Ich bin nun froh, daß es nicht bis zur Opperation gekommen ist. Du hast mir hoffentlich doch die reine Wahrheit geschrieben, daß Du Dich wirklich wieder ganz wohl befindest. Ich bin etwas mißtrauisch in Deinen Versicherungen geworden, da ich aus Deinem heute erhaltenen Brief sehe, daß Du || schon länger krank warst, und mir doch immer schriebst „bei uns geht alles gut“. Wenn Du willst, daß ich ruhig sein soll, mußt Du mir alles aufrichtig mittheilen. Mit meinen Kindern will ich Freud und Leid theilen.

Bei dieser Sache hat es sich doch wieder bewährt, daß Du ein Sonntags Kind bist, daß es ohne Operation besser geworden ist. Gott gebe, daß es nun wirklich glücklich überwunden ist. Bitte gieb mir bald wieder Nachricht über Dein Befinden. Welche Angst || und Sorge wird Agnes gehabt haben, und wie sich jetzt freuen. – –

Als ich heute früh eben Deinen Brief erhalten, brachte mir Karl die Zeitungen und da er hier nicht Zeit zum Lesen hatte, habe ich ihm Deinen Brief mitgegeben; ich konnte nicht hingehn, da heute bei mir Wäsche ist; werde daher diese Zeilen erst abschicken wenn ich Karl noch gesprochen habe. –

Nach meiner Ansicht, würde ich daß Geld auf Hipothek anlegen, und bei den von Dir angegebenen Gründen nur 4 ½ p. o. nehmen, in der Regel nimmt man 5 p. o. ||

Damit das jetzt hoffentlich überwundene Kranksein Dich nicht wieder quäle, bitte ich Dich dringend dafüra zu sorgen, daß Du regelmässig offenen Leib hast, und lieber durch gelinde Mittel nach zu helfen: als viel gekochtes Obst essenb. Ich fürchte immer Du greifst wenn es stockt, gleich zu stark ein, ich denke dabei an Deine würzburger Pillen. Und wenn das Gegentheil zu besiegen ist, nimmst Duc zu viel solcher starken Tropfen. –

(Immer die goldene Mittelstraße) ||

5/12.

Diese Zeilen an Dich hatte ich liegen lassen, weil ich gerne Karl sprechen wollte, wozu es immer nicht kam. Nun war heute früh Karl bei mir, der mir sagte: er habe Dir gleich geantworttet, er kenne aber nicht Euere dortigen Gesetzt wegen Hypoteken, es würde gut sein wenn ein Jurist die Hypotek prüfe, etwa Dein Schwager.

Wenn Du Dich entschließt das Geld || zu geben, so schreibe mir in Zeiten wann und in welchen Raten es gezahlt wird, wir wollen dann sehn was flott zu machen ist, ehe wir zum Verkauf schreiten. Ich bin um so mehr dafür, daß Du das Kapital auf Hypotek giebst, da ich schon langst [!] wünschte, daß Du eine Hypotek hättest. Uebrigens habe ich nachgerechnet Du wirst von mir noch cirka 2000 Mark be-||kommen, wenn ich zum 11ten Januar die Coupons einlöse. –

Karl habe ich die 100 Mark von Dir gegeben; ich danke Dir, dafür daß ich für mich auch etwas verwenden sollte, aber das wollen wir nur hübsch bleiben lassen, ich gebe nicht mehr als ich kann, und lasse mich damit genügen, das Versprechen gebe ich Dir aber, wenn ich mal was wünsche, so werde ich es zuerst von Dir fordern. –

Jetzt bitte ich Dich nur dringend, gieb oder laß mir Nachricht || geben über Dein Ergehn. –

Sei mit Frau und Kinder auf’s herzlichste gegrüßt von Deiner alten Mutter

Lotte.d

Deine Schwiegermutter ist doch nicht etwa krank, daß Marie Reimer in Jena ist.??e

a gestr.: darauf; eingef.: dafür; b gestr.: helfen etc.; eingef.: essen; c eingef.: Du; d Text weiter am rechten Rand von S. 8: Sei mit … Mutter Lotte; e Text weiter am linken Rand von Se. 8: Deine Schwiegermutter … Jena ist.??

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-12-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 48764
ID
48764