Magnussen, Eleonore

Eleonore Magnussen an Ernst Haeckel, München, 9. Mai 1909

München, d. 9. Mai 09.

Johann v. Werthstraße 2/IV

Hochverehrter Herr Professor!

Verzeihen Sie gütigst, daß es mir bis jetzt unmöglich war, auf Ihre freundlichen Zeilen zu antworten. Die Auflösung des Ateliers, unzählige sonstige Schwierigkeiten haben in Berlin alle meine Zeit u. Kraft in Anspruch genommen. – Ausserdem mußte ich mich wegen Schenkung der Figur an das Museum zuerst mit dem Nachlaßverwalter auseinander setzen. Vorläufig haben die Gläubiger || noch allein Anspruch auf den Erlös aus dem Inventar. Da die Schuldenlast so groß ist, daß sie kaum aus dem Verkauf des gesamt. Inventars gedeckt werden kann, so hat es mir einige schwierige u. langwierige Schreiberei gekostet, bis ich den Nachlaßverwalter überzeugt hatte, daß die Figur „Wahrheit“ wohl kaum anderweitig pekuniär verwendet werden könnte. Endlich ist es mir aber doch gelungen, || alle Schwierigkeiten zu beseitigen u. ich hoffe, daß der Packer den Transport der Figur nach Jena in den nächsten Tagen vornehmen kann. Eine Stiftungsurkunde lege ich bei. Indem ich Ihnen, hochverehrter Herr Professor für Ihre Bemerkungen u. Ihr freundliches Interesse meinen herzlichsten Dank sage begrüße ich Sie in größter Verehrung als

Ihre sehr ergebene

Nora Magnussen.

[Beilage: Stiftungsurkunde der Statue „Wahrheit“ ]

Die Unterzeichnete gestattet sich zugleich im Namen ihres Sohnes die Statue „Wahrheit“ aus dem Nachlasse Harro Magnussen’s dem Phyletischen Museum in Jena zu überweisen.

München, im Mai 1909

Frau Eleonora Magnussen, geb. Lesker

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
09-05-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 48605
ID
48605