Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Ludwig Plate (Konzept), Baden-Baden, 17. Mai 1909

Herrn Professor Dr. Ludwig Plate

Direktor des Zoologischen Instituts

und des Phyletischen Museums in Jena.

Baden-Baden 17. Mai 1909.

(Luisen-Str. 18, bei M. Wolff).

Hochgeehrter Herr Professor!

Heute erhielt ich aus Jena die beiliegenden beiden Schriftstücke nachgesandt, welche die Schenkung eines großen plastischen Kunstwerks für unser Phyletisches Museum betreffen: der Statue „Wahrheit“, welche der verstorbene Bildhauer, Professor Harro Magnussen (Berlin) als Hauptfigur für sein großes „Denkmal der Naturwissenschaft“ (1904–6) angefertigt hatte. ||

Sie werden dieses eigenartige, genial gedachte Kunstwerk vermutlich vor 2 oder 3 Jahren auf der großen Berliner Kunstausstellung gesehen haben.

Professor Magnussen wünschte sehr, daß das Phyletische Museum das ganze Denkmal (für den Preis von Fünfzig Tausend Mark) ankaufen möchte. Indessen mußte ich dieses Angebot (1907 oder 1908?) dankend ablehnen, sowohl aus Mangel an Mitteln als an Raum. Der Versuch der Wittwe von M., das Denkmal entweder im Ganzen oder in den einzelnen Teilen zu verkaufen und mit dem Erlös einen Teil der hinterlassenen Schuldenlast zu decken, hatte keinen Erfolg. ||

Darauf entschloß sich Frau Eleonora Magnussen (im Beginn dieses Jahres) auf meinen Vorschlag einzugehen und wenigstens die Hauptfigur: „Wahrheit“, dem Phyletischen Museum als Geschenk zu überlassen, unter der Bedingung, daß ich (– als damaliger Direktor des Museums –) die Kosten der Verpackung (circa 40–45 Mk) und der Versendung übernehme. Sie werden diesen Betrag vermutlich als „Nachnahme“ auf dem Frachtbrief der Sendung verzeichnet finden (die wohl in den nächsten Tagen in Jena eintreffen wird) und am besten wohl das Universitäts-Rentamt zur Zahlung des Betrags aus der Kasse des Phyletischen Museums autorisiren. ||

Der Kunstwert der Figur war bei der gerichtlichen Taxation des Nachlasses, – wenn ich mich recht erinnere – auf 20.000 oder 25.000 Mk geschätzt.

− Der geeignetste Platz für die Aufstellung der Figur dürfte der hohe Raum in der Vorhalle des Museums sein, der sich zwischen der westlichen Eingangstür (vom Hofe) und dem Treppen-Aufgang befindet.

Sie haben wohl die Güte, auch Ihrerseits (– als jetziger Direktor des Museums –) Frau Professor Nora Magnussen, geb. Lesker (München, Johann v. Werth Str. 2, IV) den Dank für ihre hochherzige Schenkung auszusprechen, wie ich dies bereits heute getan habe.

Hochachtungsvoll

Ernst Haeckel (Professor Emeritus).

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
17-05-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 48292
ID
48292