Plate, Ludwig

Ludwig Plate an Ernst Haeckel, Bremen, 26. Dezember [1908]

z. Z. Bremen den 26/12

Verehrtester und lieber Freund!

Verzeihen Sie, dass ich erst heute dazu komme, Ihnen einen Weihnachtsgruss an Ihr Krankenlager zu senden, aber ich war vor dem Feste zu sehr in Anspruch genommen. Hier bin ich bei meiner jetzt 82-jährigen Mutter, einer geb. Engländerin, die geistig noch sehr rüstig ist, aber etwas an Arthritis deformans in den Hüften leidet. Sie wird von meiner Schwester gepflegt. Ich freute mich zu hören, dass es mit Ihrem Knie wenigstens etwas besser geht, denn es ist doch dann begründete Hoffnung || vorhanden, dass Sie in einigen Wochen wieder aufstehen können. Ich werde wohl erst ca. am 21. Januar wieder nach Jena kommen, um mich definitiv für eine Wohnung zu entscheiden. Falls Ziegler nach Berlin kommt, rechne ich auf seine Villa, aber er will 1700 M Miete dafür haben, was mir für Jenaer Verhältnisse viel zu hoch erscheint. Stahl und Edler haben sich sehr günstig über Ziegler geäussert, sodass ich zuversichtlich hoffe, ihn hier als meinen Nachfolger anzubringen, umsomehr als auch Roux für || ihn sich verwandt hat. Dann setzen wir seinen Nachfolger gleich auf 1500 M zurück und gewinnen 900 für einen Praeparator, den wir, glaube ich, bei der Einrichtung des Museums nicht entbehren können. Er müsste zugleich das Füttern meiner Mäuse- und Kanarienzuchten besorgen. Ich habe hier versucht, etwas Geld flüssig zu machen, aber nirgends Gegenliebe gefunden. Die reichen Bremer opfern höchstens für ihre Vaterstadt etwas. – Ich bin natürlich ganz einverstanden damit, dass Sie die || Protozoen aus meiner Ankündigung gestrichen haben. Wenn die Zeit ausreicht, werde ich die spezielle Zoologie schon Mitte Juli beginnen, um den ganzen Winter für die Metazoen zu haben.

Und nun, verehrtester Freund, lassen Sie den Mut nicht sinken. Im April fangen wir frisch und fröhlich zusammen ana und sortiren zuerst, um dann, wenn die ersten Schränke fertig sind, mit dem Einräumen zu beginnen. Meine Frau vereint sich mit mir in dem Wunsche, dass das neue Jahr Ihnen nicht nur ein otium cum dignitate, sondern auch manche unerwartete Freuden bringen möge. Mit der Bitte, diesen Neujahrsgruß auch Ihrer verehrten Gattin zu übermitteln

herzlichst Ihr

L. Plate

a eingef.: an

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-12-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 48249
ID
48249