Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Gustav Sprenger, Jena, 11. November 1912

Jena 11. 11. 1912.

Hochgeehrter Herr Doktor!

Wenn Sie und Ihre liebe Frau mich nächsten Sonntag 17.11. durch Ihren Besuch erfreuen wollen, so ist mir dies sehr willkommen. Da Sie nur einen Tag zur Disposition haben, werden Sie am besten den D-Zug benutzen, der Frankfurt Samstaga Nachm. 2.44 verläßt und Abends 8.18 hier ankömmt. Sie können gleich im Gebäude des Weimar. Bahnhof übernachten, wo recht gute Zimmer zu haben sind. (Die besseren Hôtels: Baer, Fürstenhof sind 15–20 Minuten entfernt). Die Rückfahrt nach Frankfurt können Sie entweder am Sonntag Abend 10.54 (mit Schlafwagen) antreten, oder Montag Vorm. 10.23; ersterer kömmt in Frankfurt 6.53 früh an, letzterer 3.46 Nachmittags ||

Sonntag Vormittag 9–2 ist das Phyletische Museum (am Paradies-Bahnhof, 5 Min. vom Weimar. Bahnh.) unentgeltlich geöffnet (sonst stets gegen 1 Mk. Eintritt). Sie können gleich von dort in meine nahe gelegene Wohnung gelangen, Berggasse 7.

Bitte nur dem türöffnenden Hausmädchen zu sagen, daß ich Sie erwarte; da ich in der Regel Besuch nur Nachmittags von 5–7 annehme.

Zu meinem Bedauern kann ich Ihnen in meinem Hause keine Gastfreundschaft bieten, da der leidende Zustand meiner Frau seit Jahren jede Geselligkeit ausschließt.

Mein eigenes Befinden ist jetzt leidlich; nur hindert auch die schmerzhafte Arthritis deformans immer mehr am Gehen; ich muß immer 2 Stöcke brauchen. ||

Unser schönes Saalthal ist jetzt schon in recht winterlicher Verfassung, da wir mehrere Tage scharfen Frost hatten.

Im Frühjahr würde der Genuß für Sie lohnender sein; besonders im Mai u. Juni ist unsere Flora sehr schön.

Mit freundlichen Grüssen an Sie beide und an mein liebes Patenkind Ernst

treulichst Ihr

Ernst Haeckel.

a eingef.: Samstag

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-11-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 47990
ID
47990