Call, Roman von

Roman von Call an Ernst Haeckel, Würzburg, 29. März 1856

Würzburg 29.3.56.

Lieber Ernst!

Heute Samstag den 29ten reißt Virchow nach Berlin. Erkundige Dich bei Buchhändler Reimer um seinen Aufenthaltsort.

Deinen Brief sowie die beigelegten Zeugniße habe ich in Empfang genommen; das Bittgesuch, notabene ungestempelt, ist dem Dekan übergeben worden, der es für durchaus befriedigend erklärte.

Grohé theilte mir gestern mit, daß Du vielleicht noch einen Rivalen zu überwinden haben wirst. Du armer Kerl!

Virchow erhielt vom König 1000 fl zur freien Verfügung für wissenschaftliche Zwecke. Auch ein Zeichen der Zeit.

Gestern Abends kneipte ich zum ersten male mit Dr. Boner, der Dich freund- || lich grüßen läßt!

Soll ich Deine Hausleute von Deiner Ankunft vielleicht avisiren?

Benütze die wenigen Tage zur Erheiterung und Zerstreuung, wahrlich eine derartige wäre auch für mich indicirt.

Als ein Symptom der ausgezeichneten Kennnisse Dr. Jaegers diene Dir sein salomonischer Ausspruch: Salpetersäure verseift die Gewebe. O sancta simplicitas!

Adieu. Auf baldiges Wiedersehn!

Meinen Brief vom 25ten wirst Du erhalten haben.

Dein

Freund Call

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
29-03-1856
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 4797
ID
4797