Call, Roman von

Roman von Call an Ernst Haeckel, Würzburg, 19. März 1856

Würzburg 19.3.56

Lieber Ernst!

Morgens 8 ¼ Uhr.

Dein liebes Schreiben vom 12 dies hat mir unendlich viel Vergnügen verschafft; Deine Eltern haben denn doch einen sehr verständigen Entschluß gefaßt. Doch genug davon; das Nähere mündlich.

H. Prof. Virchow habe ich den Brief sammt dem Journal übergeben.

Soeben besuchte ich H. Dekan und Professor Johannes Narr, um mich wegen Deiner Angelegenheit genau zu instruiren. Bis 1sten April mußt Du nothwendig hier sein und bis dahin Dein Bewerbungsgesuch sammt den Zeugnißen dem Dekanate übergeben haben; die Prüfung kann dann jeden beliebigen Tag stattfinden. Bereits gestern habe ich einen Stempelbogen mir angekauft, um Dir denselben zu übersenden, damitt Du Dein Competenzgesuch selbst in Berlin noch abfertigen, dasselbe || mir zu senden und damit Du dann allenfalls längere Zeit in Deiner Heimath verbleiben kannst. Das Ende vom Liede ist: bis 31. des Monats früh mußt Du hier eintreffen.

H. Port ist nach Nürnberg abgereißt; ich habe ihm bereits geschrieben.

Von Virchows Weggang hört man nichts. Wegen der Besetzung der chirurgischen Klinik sind die beiden Hofräthe Scanzoni und Kölliker nach München gereißt.

Von morgen an logire ich in der Fleischbankgasse; ein nettes Zimmerchen.

Schreibe mir ganz genau die Stunde Deiner Ankunft im hiesigen Bahnhof; ich werde Dich dort ehrfurchtsvollst empfangen.

Adieu – vide Hendschels Telegraph.

Auf recht baldiges freudiges Wiedersehen

Dein

Freund Longus Call.

Adresse: II. District 315.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
19-03-1856
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 4796
ID
4796