Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Johanna Bölsche, Jena, 8. Mai 1913

Jena 8.5.1913.

Liebe Freundin!

Da Ihr lieber Mann mir verriet, daß Sie morgen das halbe Jahrhundert der irdischen Existenz in erfreulicher Gesundheit zurücklegen, will ich nicht unterlassen, Ihnen zu diesem Familienfeste meine herzlichsten Glückwünsche, auch von meiner Frau, zu senden. Ich höre mit Freuden, daß Sie die schweren Leiden Ihrer Gallenstein-Krisis im vorigen Frühjahr völlig überwunden haben und sich seitdem der besten Gesundheit erfreuen. Meine arme Frau hat sich 10 Jahre mit dieser schrecklichen Krankheit geplagt. Diesen ganzen Winter hat sie wieder wegen ihres alten Herzleidens das Haus hüten müssen. ||

Mein eigener Gesundheits-Zustand ist jetzt leidlich, – abgesehen von dem bitteren Mangel der freien Ortsbewegung, der mir die Freude des Wanderns und Reisens für immer verbietet. Ich finde einigen Ersatz im fleißigen Aquarell-Malen, Ausführung flüchtiger Skizzen von Ceylon und Insulinde, die mir die ganze Herrlichkeit der wunderbaren Tropenwelt wieder frisch in Erinnerung bringen.

Mit besten Wünschen und freundlichsten Grüßen, auch an Ihre beiden lieben Kinder, die sich hoffentlich in jeder Beziehung erfreulich entwickeln, stets

Ihr treu ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-05-1913
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.
ID
47781