Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Max Vollert, Jena, 4. November 1913 (Konzept)

Bericht über das projectierte

„Ernst-Haeckel-Archiv“

in der Universität-Bibliothek

zu Jena.

Herrn Geheimen Staatsrat

Dr. Vollert, Kurator der

Universität Jena.

Jena den 4. November 1913.

Hochgeehrter Herr Kurator!

Im Anschluß an die Besprechung, welche ich mit Ihnen am Dienstag 28. Oktober hatte, erlaube ich mir, Ihnen nachstehenden Bericht über das „Ernst-Haeckel-Archiv“ und dessen Übertragung in die hiesige Universitäts-Bibliothek vorzulegen. Ihrem Rate entsprechend habe ich am Samstag 1. November diesea Angelegenheit auch mit dem nächstbeteiligten Direktor der Universitäts-Bibliothek, Herrn Dr. Brandis, eingehend besprochen. Da derselbe meine Vorschläge, ebenso wie Sie selbst, mit ungeteiltem Wohlwollen aufnahm und in deren Ausführung eine wertvolle Bereicherung unseres Universität-Besitzes erblickte, darf ich hoffen, daß Sie auch den nachstehenden b Ausführungen (– vorbehaltlich einzelnerc Verbesserungen d –) Ihre e Zustimmung erteilen und sie den hohen Regierungen f befürwortend empfehlen werden. ||

1. Der gesamte wissenschaftliche Bestand des jetzigengPhyletischen Archivs“, der bisher in den drei wir durch Ministerial-Beschluß (vom 21. Juli 1909) vorbehaltenen Räumen des „Phyletischen Museums“ untergebracht war, geht in den Besitz der Universitäts-Bibliothek als deren Eigentum über.

2. Ein besonderer Raum des Bibliotheks-Gebäudes (von 35 bis 45 Quadrat-Meter Flächen- Inhalt) wird bei dem nahe bevorstehenden Umbau desselben für die Aufnahme jenes Bestandes ausschließlich reserviert und behält dauernd die Bezeichnung „Ernst-Haeckel-Archiv“. Der Raum muß heizbar und für die Ausführung literarischer Archiv-Arbeiten geeignet sein.

3. Mit dem literarischen Material zugleich geht auch das Mobiliar des bisherigen „Phyletischen Archivs“ teilweise in den Besitz der Universitäts-Bibliothek über und wird zur Ausstattung des „Ernst-Haeckel-Archivs“ verwendet; insbesondere: 6 h große Glasschränke, von 1,5 m Breite, mit je 4 Flügeln; 2 i Arbeitstische, 6 Stühle, 1 Sopha, 1 Kleiderschrank, 1 Waschtisch und verschiedenes kleineres Mobiliar (Bücher-Regale etc.) ||

4. Das literarische Material verteilt sich auf die 6 Schränke (A - F) folgendermaßen:

A. Meine sämtlichen Werke (in allen Auflagen, mit allen Übersetzungen).

B. Meine sämtlichen Manuskripte, sowie ein Teil meiner j Zeichnungen und Bilder k

C. Eine Sammlung von Biographischem Material und persönlichen Erinnerungen (Diplomen l )

D.m Ehren-Geschenke, Akten und Dedikationen usw. (soweit solche nicht im „Gedenksaal“, Nr. 5, bleiben).n

E.o Eine „Persönliche Bibliothek“, bestehend aus den Werken, die für meine literarische Tätigkeit vorzugsweise von bestimmendem Einfluß waren.

F.p Eine „Naturphilosophische Bibliothek“, vorzugsweise Literatur q über Monismus, „Entwicklungslehre“, Dedikations-Schriften, r Biographien u.s.w.

5. Von den drei mir vorbehaltenen Räumen des „Phyletischen Museums“ (in der Ostseite der südlichen Hälfte des oberen Stockwerks) bleibt nur der s größere (nördliche) in der von mir bestimmten Anordnung und Ausstattung dauernd bestehen, der sogenannte „Gedenksaal“ – oder das bisherige „Phyletische Archiv“ im engeren Sinne. Derselbe enthält zahlreiche Kunstwerke (Bilder, Porträts, Büsten etc.) und andere Documente zur Geschichte der Entwicklungslehre. Derselbe wird erst nach meinem Tode definitiv eingerichtet, von meinem Sohne, Kunstmaler Walter Haeckel in München unter Beihilfe seines Freundes, des Porträtmalers Karl Bauer (München)t und meines Schwiegersohnes Geheimrat Professor Dr. Hans Meyer u (Leipzig). ||

6. Die beiden anderen, mir vorbehaltenen Räume v im „Phyletischen Museum“, der mittlere (bisher w „Bibliothek“) und der kleinere, südliche (bisher „Arbeitszimmer“) werden geräumt und zur freien Verfügung des Direktors des „Phyletischen Museums“ gestellt; damit sind dessen dringendex Wünsche, betreffend ihre Verwendung zur Vergrößerung der Sammlung, erfüllt.

7. Vorbehalten bleibt mir die Verwendung eines Teils der Zinsen der „Ernst-Haeckel-Stiftung für Entwickelungslehre“ (36.000 Mark), welche am 17. Juli 1912 von mir der Universität übergeben, amy 9. November 1912 von dem illustren Senate angenommen und am 22. Januar 1913 durch „Stiftungsurkunde“ bestätigt wurde.

8. Von den Zinsen (4 Prozent) dieser Stiftung, jährlich 1440 Mk, sind zunächst für 8 Jahre ‒ bis 1920 inklusive – 1200 Mk für einen meiner Schüler ausgesetzt, der als „Archivar“ die wertvollen Original-Schätze des Archivs für eine „Geschichte der Entwickelungslehre“ bearbeiten soll. Spätere Verwendung dieser Stiftung-Erträge, im Interesse des neuen „Ernst-Haeckel-Archivs“, z bleibt testamentarischen Bestimmungen vorbehalten.

Indem ich Sie, hochgeehrter Herr Kurator, um geneigte Befürwortung obiger Vorschläge ersuche, bleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebenster

Ernst Haeckel

a korr. aus.: dieselbe; b gestr.: vorläufigen; c gestr.: in mehreren; eingef.: einzelner; d gestr.: -) im Einzelnen; e gestr.: wohlerzogene; f gestr.: als den Erhalt unserer Universität; g gestr.: bisherigen; eingef.: jetzigen; h gestr.: (oder eventuell 8); i gestr.: (oder eventuell 4); j gestr.: sowie; k gestr.: etc; l gestr.: ,Personal-Akten; m gestr.: F., eingef.: D.; n eingef.: Ehren-Geschenke, Akten ... „Gedenksaal“, Nr. 5, bleiben).; o gestr.: D., eingef.: E.; p gestr.: E., eingef.: F.; q gestr.: betreffend die; r gestr.: etc.; s gestr.: durch; t mit Einfügungszeichen eingef.: unter Beihilfe seines Freundes, des Portraitmalers Karl Bauer (München); u gestr.: in; v gestr.: des; w gestr.: (; x mit Einfügungszeichen eingef.: dringende; y mit Einfügungszeichen eingef.: (36.000 Mark) … übergeben, am; z gestr.: behalte ich mir vor.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
04-11-1913
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 47541
ID
47541