Wichmann, Carl

Carl Wichmann an Ernst Haeckel, Eisenach, 17. Dezember 1916

C. WICHMANN

EISENACH, DEN 17. Dez. 1916

MARIENTAL 42.

Hochverehrte Exzellenz,

Infolge mangelhaften Befindens komme ich erst heute dazu, für Ihr freundliches Schreiben vom 28. November und die interessanten Begleitschriften Ihnen meinen herzlichsten Dank zu sagen!

Der Wunsch, in meiner Weise etwas zur Förderung der Entwicklungslehre und des Monismus beitragen zu dürfen, lebt ungeschwächt in mir. Aber meinem Können sind Schranken auferlegt worden, – zunächst durch unerwartete Familienverhältnisse, und dann durch den Krieg, infolgedessen ein sehr großer Teil meines Vermögens in London beschlagnahmt liegt, mit dem || täglichen Risiko der Konfiskation seitens der englischen Regierung. Dazu die unabweislichen Anforderungen für die Kriegshilfswerke. Somit ergibt sich leider die Notwendigkeit, alle sonstigen größeren Ausgaben bis zu einem Zeitpunkt zu vertagen, wo man einen besseren Überblick über das Verhältnis der verbliebenen Einnahmen zu den Ausgaben haben wird. Indessen mögen Sie sich darauf verlassen: ich bleibe unserer Fahne getreu und melde mich zum Dienst sobald ich mich wieder dienstfähig weiss! –

Schon die feste Schrift Ihres Briefes bezeugt zu meiner Freude, dass sie noch immer der Alte, d. h. der unverwüstlich Jugendliche sind. Ich wette, Sie haben noch immer manche || Stunde, in welcher Sie die Richtigkeit ihres Geburtsscheines bezweifeln müssen?

Solcher Stunden mögen ihn noch in manchem neuen Jahr beschieden sein; Besseres wüsste Ihnen zum bevorstehenden Fest nicht zu wünschen

Ihr in aufrichtiger Verehrung

ergebenster

C. Wichmann

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-12-1916
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 47170
ID
47170