Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Heinrich Schmidt, Jena, 19. September 1912 (Abschrift)

Abschrift.

An

Herrn Dr. Heinrich Schmidt, Jena, Pfaffenstieg 5

Jena, 19. 9. 1912

Lieber Freund!

Für Ihre herzlichen, eben erhaltenen Zeilen sage ich Ihnen meinen innigsten Dank ! Sie haben mich hoch erfreut und zugleich tief gerührt. Ich habe in meinem langen und kampfreichen Leben so viel Täuschung und Undank erfahren, dass ich einen so aufrichtigen Ausdruck wahrer Dankbarkeit sehr hoch schätze.

Es war mir eine wirkliche Herzenserleichterung, dass wir uns bei Ihrem Besuche heute Morgen ganz offen über so wichtige persönliche Beziehungen aussprechen und über unsere nächsten noch vorliegenden Lebensaufgaben verständigen konnten.

Sie wissen nun, dass ich in Ihre persönlichen und wissenschaftlichen Eigenschaften das vollste Vertrauen setze, und dass ich am Ende meines langen und kampfreichen Lebens glücklich bin, Sie als „Archivar des phyletischen Museums“ zur Ordnung, Organisation und Verwertung der kostbaren , im Archiv gesammelten – und in ihrer Art einzigen – Schätze berufen zu können. Ich hoffe, dass Sie dabei in freundlichstem Einvernehmen mit meinem einzigen Sohn verfahren werden, den ich in diesem Sinne verständigt habe.

Bleiben Sie immer treu und gut ihrem alten Lehrer, der in der Tat mit väterlicher Liebe und Sorge seine Hoffnungen auf Sie baut.

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
19-09-1912
Entstehungsort
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 47073
ID
47073