Knaupp, Wilhelm

Wilhelm Knaupp an Ernst Haeckel, Renchen, 15. Dezember 1911

Renchen Dez. 15/1911

Hochverehrter, lieber Professor Ernst Haeckel.

Ihrem Wunsche gemäß folgt an bei Herrn Dr. Wilhelm Ostwalds Brief an Sie zurük, von dessen Inhalt, so wie von Ihrigem und Herrn Dr. Heinrich Schmidt Ich bestens Notiz genommen habe. Mein Willens-Vollstrecker ist angewiesen, fast ganz nach Ihrer Ansicht, welche ja auch ganz mit der Meinigen übereinstimmt zu verfahren

1. M. 15000 an Professor Ernst Haeckel Stiftung in Jena, zur Förderung seiner monistischen Lebenswerke u. das dafür von Ihm gegründete phyletische Museum, mit folgender Bedingung: M. 10000 für die eben genannte Stiftung in Jena zur freien Verfügung, u. die andern M. 5000 || zu Errichtung des sicher kommenden Haeckel Denkmals; mit der Bemerkung, daß die Zinzen von diesen M. 5000 der Haeckel Stiftung zur freien Verfügung zufallen, das Kapital M. 5000 aber so lange unangetastet festgestellt werden soll, bis zur einstigen Errichtung des Monuments. Ich will der Erste sein, der die Initiativea ergriff, vielleicht auch der Erste, der einen Beitrag zeichnet, zu diesem edlen hohen Werke, für einen Mann, den die Mittwelt nicht auf denb hohen Platz stellte, der ihm von rechts wegenc gebührte –

Die Zinzen von obigem Vermächtniße werden im Verlauf des Januars d jeden Jahres M. 525 an Sie, oder an die Stifts-Verwaltung ausbezahlt (anfangend Januar 1912). || Ferner bestimme Ich, daß dem Cassa führenden Mitgliede des Deutschen Monisten Bundes die Summe von M. 30000 zu getreuer Verwahrung, für Bundeszwecke, insbesondere zur Unterstützung der Bundes Zeitschrift übermacht wird, ebenfalls zu freier Verfügung.

Die Zinzen von dem oben genannten Kapital e M. 1050 aber jetzt schon im Verlaufe des Monats Jan. 1912 an die Casse des Bundes ausgezahlt werden soll, ebenfalls zu freier Verfügung.

Was das Legat M. 5000 u. das Buch monistischer Catechismus anbetrifft, so erachte ich diese Angelegenheit mehr, als eine private Sache, zwischen mir und Herr Dr. Heinrich Schmidt – Bin aber fest überzeugt, daß Dr. Schmidt ein derartiges Werk sehr gut auszuführen im Stande ist. – ||

Sollten Sie, zu dieser Vorlage noch etwas zu berichtigen haben, so sind Sief freundlichst gebeten, es im Verlauf von 14 Tagen zu tun, im anderen Falle soll alles in Ordnung weiter gehen.

Auf Herrn Dr. Wilhelm Ostwaldsg sehr richtig gestellte Frage: − Warum das Kapital nicht auch zu gleicher Zeit, wie der Zinz, an die betreffenden Quellen übermachen? „logisch ganz richtig“ – Es ginge schon, geht aber nicht – Etwas Gedult u. es wird ganz gut gehen – Sollten Sie mit diesem hohen Mann gelegentlich wieder einmal schriftlich verkehren, so übermachen Sie ihm meinen Dank und Gruß. Seine monistischen Sonntags Predigten lese ichh mit hohem Genuß.

Jeder Zoll an hoher freier Geist – Zum Schluße noch viele Grüße u. Dank meinem hohen Freund. – Ihr ganz ergebener

Wilhelm Knaupp

a korr. aus: Iniative; b eingef.: den; c eingef.: wegen; d gestr.: M. 525; e gestr.: aber schon; f eingef.: Sie; g korr. aus: Oswalds; h eingef.: lese ich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
15-12-1911
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 47064
ID
47064