Meyer, Hans

Hans Meyer an Ernst Haeckel, Leipzig, 2. Februar 1908

PROFESSOR DR. HANS MEYER

LEIPZIG, 2/ 2. 08

HAYDNSTRASSE 20.

Lieber Vater,

Gestern traf ich hier im Grassi-Museum den Fabrikanten unserer schönen Museumsschränke, Herrn Kühnscherf aus Dresden. Das Gespräch kam bald auf Dein phyletisches Museum, und Herr K. fragte mich, ob denn das Museum nicht gute eiserne Schränke brauche. Ich antwortete ihm, dass Du meines Wissens hölzerne Schränke aufstellen wolltest, weil || für eiserne Schränke die vorhandenen Fonds nicht ausreichten. Darauf sagte mir Herr K. vertraulich, dass er in Dresden einige Herren wüsste, die bereit seien, für das phyletische Museum beträchtliche Summen zum Ankauf eiserner Schränke zu stiften, falls Ihnen diese gemeinnützige Stiftung Seitens der Regierung durch eine entsprechende Anerkennung vergolten würde.

Ich erwiderte Herrn K., dass ich natürlich nicht wüsste, || wie man in Jena oder Weimar oder Meiningen hierüber dächte, dass ich es aber für nützlich hielte, wenn er Dira diese Angelegenheit einmal selber vortrüge.

Er will Dich nun in nächster Zeit deshalb einmal besuchen, und ich rate Dir sehr, ihn wegen der ganzen Schrankfrage anzuhören und sie mit ihm zu besprechen, auch wenn seine oben bezeichnete Anregung nicht befolgbar ist.

Über die Kühnscherf’schen || Schränke ist weiter nichts zu sagen, als dass sie unübertroffen sind. Es wäre doch herrlich, wenn Dein Museum damit ausgestattet werden könnte.

Bei uns geht’s wieder gut; die Kinder haben die Masern hinter sich und gehen wieder in die Schule. Liese ist stark erkältet, aber fühlt sich sonst ganz wohl. Zu Deinem Geburtstag gedenken wir ernstlich nach Jena zu kommen!

Herzlichst

Dein H.

a eingef.: Dir

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
02-02-1908
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46931
ID
46931