Rothe, Karl

Karl Rothe an Ernst Haeckel, Weimar, 24. September 1909

Weimar, den 24. September 1909

Hochverehrter Herr Wirklicher Geheimrat!

Eurer Exzellenz hochherziger Entschluß, das Phyletische Museum, Ihre großen naturwissenschaftlichen Sammlungen, eine überaus wertvolle Bibliothek, Ihr Archiv, kostbare Kunstwerke und dazu noch eine bedeutende Geldsumme in den Besitz der Großherzoglich und Herzoglich Sächsischen Gesamtuniversität Jena übergehen zu lassen, ist nunmehr durch Eurer Exzellenz gerichtliche Erklärung durch die Annahme der Schenkung seitens der Universität und der Regierungen der Erhalterstaaten auch der äußeren Form nach verwirklicht. Dieser Zeitpunkt ist für die Universität Jena so bedeutungsvoll, daß er nicht vorübergehen darf, ohne daß die Regierungen ihre tief empfundene Dankbarkeit Eurer Exzellenz gegenüber nochmals zum Ausdruck bringen.

Durch Ihre Schenkung wächst der Thüringischen Universität eine neue Bildungsanstalt hinzu, die einen wertvollen Besitz unserer Hochschule bilden und für lange Zeit auf den bewährten Forscher als die zu naturwissenschaftlicher Erkenntnis heranwachsende Jugend eine für die || gelehrte Arbeit fruchtbare Anziehungskraft ausüben wird.

An der Stelle, wo Eure Exzellenz nach einer fast eineinhalbhundertjährigen, von reichsten Erfolgen begleiteten akademischen Wirksamkeit das Rüstzeug niederlegen, das gleicher Weise von der gewaltigen Arbeit und den glänzenden Ergebnissen Ihrer Forschertätigkeit beredtes Zeugnis ablegt, entsteht so zu Ehren des Mannes, der lange Jahre eine Zierde der Thüringer Hochschule war, ein Denkmal, das kommenden Geschlechtern nicht allein den Umfang seiner Geistesarbeit immer von neuem zum Bewußtsein bringen, sondern auch in vernehmlicher Sprache von der Treue reden wird, mit der er sich der Universität Jena verbunden fühlte.

In der Opferfreudigkeit aber, mit der Eure Exzellenz die großartige Schenkung darbieten, erblicken die Regierungen der Erhalterstaaten ein neues, wertvolles Beispiel jener selbstlosen Hingabe an die höchsten Aufgaben der Menschheit, der unserer Hochschule schon so viel zu verdanken hat; liefert sie doch von neuem den Beweis, daß die von den Durchlauchtigsten Erhaltern und den Ernestinischen Staaten für ihre Hochschule gebrachten großen Opfer verständnisvolle, dankbare Erwiderung finden in den Kreisen der Männer, auf denen der Ruhm Jenas vor allem beruht; und sie || erweckt die Hoffnung, daß das Gedeihen und Blühen der Gesamtuniversität auch in Zukunft solch hoher Sinn fördern wird.

Die Sachsen-Ernestinischen Regierungen hegen die Hoffnung, daß es Eurer Exzellenz nunmehr noch lange vergönnt sein möge, die Entwicklung der neuen Schöpfung mit ungetrübter Befriedigung zu begleiten, und sie geben gern die Versicherung, daß sie es allezeit als ihre Dankespflicht ansehen werden, die Bestimmungen der Stiftung im Geiste ihres Stifters zu wahren und zu beachten.

Großherzoglich Sächsisches Staatsministerium,

Departement des Kultus,

zugleich im Namen der Herzoglich sächsischen Ministerien

Rothe

Seiner Exzellenz

Herrn Wirklichen Geheimen Rat

Professor Dr. Haeckel

Jena.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
24-09-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46872
ID
46872