Vollert, Max

Max Vollert an Ernst Haeckel, Weimar, 5. Januar 1909

Weimar, den 11. Januar 1909.

Hochverehrte Exzellenz!

Nach Rücksprache mit Seiner Exzellenz dem Herrn Staatsminister begehre ich mich Eurer Exzellenz auf das heutige Schreiben wegen der von Herrn Professor Plate gestellten Bedingungen das Folgende mitzuteilen:

1) Nach der Stiftungsurkunde der Ritter-Stiftung steht dem jeweiligen Ordinarius der Zoologie in Jena zu, über die Erträgnisse der Stiftung zur Förderung der Entwickelungslehre mit Zustimmung der Regierungen der Erhalterstaaten nach freiem Ermessen zu verfügen. Herr Professor Plate wird also nach Übernahme des Ordinariats über die Stiftungserträgnisse in der gleichen Weise mit Zustimmung der Regierungen zu verfügen haben, wie Eure Exzellenz dies bisher getan haben. Ob und inwieweit die von Eurer Exzellenz mit Zustimmung der Regierungen aus der Ritter-Stiftung bisher gemachten Bewilligungen zum 1. April dieses Jahres ohne weiteres eingestellt werden können, werden Eure Exzellenz selbst am besten zu beurteilen vermögen. Die Bewilligung für die Haeckel-Professur kann, solange ihr gegenwärtiger Inhaber bleibt, nicht zurückgezogen werden.||

2) Wegen der von Herrn Professor Plate gestellten zweiten Bedingung, daß bei Eurer Exzellenz Lebzeiten von den Erträgnissen der Ritter-Stiftung mindestens 3600 DM jährlich für Zwecke des Zoologischen Instituts übrig bleiben müßten, kann eine bindende Zusage nicht erteilt werden.

Soviel hier bekannt ist, stehen die zur inneren Ausstattung und zur Erhaltung des Phyletischen Museums erforderlichen Mittel bis jetzt noch nicht ganz zur Verfügung und es ist fraglich, ob und inwieweit Eure Exzellenz genötigt sind, den Ertrag der Ritter-Stiftung hierzu wenigstens einstweilen mit zu Hilfe zu nehmen. Es kommt dabei namentlich auch in Betracht, daß es zweifelhaft ist, ob die Carl Zeiß-Stiftung in der nächsten Zeit im Stande sein wird, neben den ganz dringlichen Ausgaben für die Erweiterung der Anatomie und des Botanischen Instituts noch den von Eurer Exzellenz beantragten Zuschuß von 30 000 M für das Phyletische Museum zu leisten. Einstweilen haben die Vorstände der Stiftungsbetriebe, welche hierüber satzungsmäßig zu hören sind, erklärt, daß zur Zeit die laufenden und bevorstehenden geschäftlichen Engagements der Stiftungsbetriebe die Entnahme beträchtlicher Summen aus dem Reserveform der Carl Zeiß-Stiftung für akademische Zwecke überhaupt untunlich erscheinen ließen.||

Was die dritte Bedingung anlangt, so kann ohne ausdrückliche Zustimmung der Herzoglich Sächsischen Regierungen nicht zugesichert werden, daß die Haeckel-Professur später auf die Universität werde übernommen werden. Ob diese Zustimmung zu erlangen sein wird, ist zweifelhaft. Wenigstens hat die Herzoglich Sächsische Regierung zu Altenburg bereits im voraus erklärt, daß sie jeder Mehrbelastung der Universitätskasse anläßlich der Wiederbesetzung des Ordinariats für Zoologie angesichts der sehr gespannten Finanzlage der Universität widersprechen müsse. Günstigenfalls wird es zur Beseitigung der bestehenden Bedenken eingehenderer Erörterung und längerer Verhandlungen bedürfen.

Wir hoffen, daß Herr Professor Plate sich mit den Zusicherungen begnügt, welche Eure Exzellenz ihm nach Ihrem besten Wissen in unverbindlicher Weise zu geben vermögen und nicht auf sofortige bindende Erklärungen besteht, für deren unbedingte Einhaltung ich nicht einstehen könnte und bei deren Abgabe ich mich einer Verletzung meiner Amtspflicht schuldig machen würde.

Indem ich lebhaft bedaure, Eurer Exzellenz Wünsche || nicht ganz erfüllen zu können, verbleibe ich in vorzüglicher Hochachtung

Eurer Exzellenz

ergebenster

Ministerialdirektor Dr. Vollert

Seiner Exzellenz

Herrn Wirklichen Geheimen Rat

Professor Dr. Haeckel

Jena.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-01-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46862
ID
46862