Hartmann, Max

Max Hartmann an Ernst Haeckel, Jena, 8. Mai 1892

Herr Prof. Dr. E. Haeckel

Obwohl voriges Semester mein um Unterstützung eingereichtes Gesuch zurückgewiesen worden war, da ich einige male bestraft worden bin − doch entfallen diese Strafen auf meine ganze Studienzeit und nicht auf das vorige Sommersemester – sehe ich mich jetzt doch wieder genötigt, um Unterstützung zu bitten; denn daß ich von meiner Mutter gar nichts verlangen kann, geht aus beiliegendem Zeugnis vom 14. October 1891 hervor, in welchem nur die 124 M Stipendiengelder zu streichen sind; diese sind Ostern 1892 abgelaufen. Da ich außerdem jetzt im 9. Semester stehe und also meist praktische Curse zu belegen habe, die nur teilweise frei gegeben werden, ferner im Winterse || mester mein Staats-Examen ablegen will, so weiß ich nicht, wo ich das Geld zu alledem hernehmen soll, wenn mir keine Unterstützung zu teil wird; ganz abgesehen noch von dem, was das tägliche Leben kostet.

Möge es mir daher nicht übel gedeutet werden, wenn ich jetzt wieder bei Verleihung des „Universitäts-Stipendiums für Studirende der Medizin und Naturwissenschaften“ um gütige Berücksichtigung bitte.

Da ich für einige Zeit eine ärztliche Vertretung übernommen hatte, war es mir nicht möglich, dies Gesuch früher einzureichen.

Hochachtungsvoll

Max Hartmann

cand. med.

Jena, d. 8. Mai 92

Ziegelmühlenweg 2.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-05-1892
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46848
ID
46848