Schulz, Konrad

Konrad Schulz an Ernst Haeckel, Eisenach, 23. März 1906

Eisenach, den 23. März 1906.

Hochgeehrter Herr Professor!

Nachdem Unterzeichneter 2 Semester an der Universität Leipzig immatrikuliert gewesen ist, gedenkt er nunmehr seine übrige Studienzeit in Jena fortzusetzen. Da mit dem Fortgang von Leipzig die mir vom Großherzoglich Sächsischen Staatsministerium zu Weimar gütigst verliehenen Stipendien mit Ausnahme des Stötzerschen im jährlichen Betrage von 13 Mark verloren gehen, so erlaube ich mir auf Grund des beigefügten Vermögenszeugnisses die Bitte auszusprechen, mich bei der bevorstehenden Verteilung des Universitätsstipendiums für Studierende der Medizin und der Naturwissenschaften gütigst mit berücksichtigen zu wollen.

Dieses Stipendium war mir schon einmal, für das Sommer-Semester 1904, von Ihnen zugesprochen worden, ging mir jedoch damals durch ein unglückliches Versehen verloren.

Meinem Vater, dem Zeichenlehrer und Kunstmaler Oskar Schulz, wird es bei seinem geringen Einkommen um so schwerer, die Kosten während meiner Studienzeit aufzubringen, als er noch meine drei Schwestern bei sich zu Hause zu ernähren hat, von denen eine zwecks weiterer Ausbildung als Lehrerin von Mitte April nach Göttingen geht.

Als verlangtes Studienzeugniss werde ich die Exmatrikel von Leipzig nachsenden, sobald sie von Weimar, wo- || hin ich sie geschickt habe, zurück ist.

Mit vorzüglichster Hochachtung

Konrad Schulz, stud. math. et rer. nat.

Eisenach, Ritterstraße 3. III.

Jena, Lutherstraße 9. II.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
23-03-1906
Entstehungsort
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46724
ID
46724