Harnier, Eduard von

Eduard von Harnier an Ernst Haeckel, Frankfurt am Main, 30. Mai 1886

30. Mai 1886

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich kann es mir nicht versagen Ihnen auch auf diesem Wege meinen herzlichen Dank für Ihre mir in Weimar erwiesene Liebenswürdigkeit und mein Bedauern darüber auszusprechen, daß es mir nicht möglich gewesen ist, Ihnen nach Jena zu folgen. Ebenso wiederhole ich Ihnen meinen aufrichtigsten Glückwunsch zu der nun glücklich unter Dach gebrachten Stiftung, welche an und für sich ein wahrer Triumph für Ihre wissenschaftlichen Bestrebungen ist und es in ihren Folgen, ich zweifle nicht daran, mehr und mehr werden wird. – Sollten Sie der Ansicht sein, daß ich in Weimar noch irgend einen Schritt der Höflichkeit thun könnte oder sollte, so würden Sie mich durch eine gütige Mittheilung in dem || Betreff zu Dank verbinden. Ich weiß keinen; aber es kommt mir bei meinen bürgerlichen Anschauungen eigen vor, daß man zum Beispiel einer lieben liebenswürdigen Einladung Folge leistet ohne demnächst einen Digestionsbesuch zu machen oder irgendwie seine Erkenntlichkeit zu bezeugen. – Herrn von Ritter habe ich den Rath gegeben, seinen Besuch in Weimar so bald als möglich zu machen, womit Sie zweifelsohne einverstanden sind. – Den Schlüssel zur Lösung der Frage, warum Fräulein Marie Ritter telegraphisch bei Ihnen angefragt hat, finde ich darin, daß dieselbe bei der Unklarheit der betreffenden Stiftnachrichten sich darüber Gewißheit verschaffen wollte, ob ihr Onkel verstorben sei oder noch lebe, und glaube nicht, daß der Sache irgendwelche weitere Bedeutung beizulegen ist.

Meine Tochter hat sich darüber gefreut, daß Sie ihrer freundlich gedacht haben und sendet Ihnen beste Empfehlungen. Mit der schließlichen Bitte, uns || auch ferner ein freundliches Andenken bewahren zu wollen, verbleibe ich in wahrer Hochachtung

Ihr ganz ergebener

Ed. von Harnier

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
30-05-1886
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46652
ID
46652