Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Heinrich von Eggeling, Jena, 31. Mai 1886

Antrag des Professor Haeckel

Ritter-Professur für Phylogenie

31. Mai 1886 Jena

Hochgeehrter Herr Curator!

Nachdem die „Paul von Ritter’sche“ Stiftung für phylogenetische Zoologie durch die am 27. Mai d. J. in Weimar erfolgte Übergabe der Stiftungs-Urkunde und am cc 2/5 des Stiftungs Capitals thatsächlich in‘s Leben getreten ist, beehre ich mich hierdurch a Ew. Hochwohlgeboren den ersten Vorschlag über die Verwendung des diesjährigen Rein-Erträgnisses der gedachten Stiftung ergebenst zu unterbreiten, mit der Bitte, für denselben die Genehmigung der Großherzoglich und Herzoglich Sächsischen Staats-Regierungen b gemäß § 2 der gedachten Urkunde, einholen c zu wollen. d Dem Wunsche des Stifters entsprechend ebeabsichtige iche demnächst ein Programm fabzufassenf g, in welchem die Grundsätze || für die zweckmäßigste Verwendung der hjährlichen Rein-Erträgnisseh Ritter-Stiftung in einer für mich selbst und für meinen Amtsnachfolger bindenden Form festzustellen sind, und werde dieses Programm als dann sofort der Hohen Staats Regierung zur Genehmigung i einreichen. Indessen ist der erste Vorschlag dieses Programms bereits so reiflich erwogen, und hat auch bereits bei mündlicher Mittheilung so bestimmt die Billigung des Hohen Großherzoglichen Staats Ministeriums jin Weimarj und der Hohen Universitäts-Curatel khierselbstk gefunden, daß l es schon jetzt sehr erwünscht ist, denselben durch Beschluß der Hohen Groß und Herzoglich Sächsischen Staats-Regierungen als bald erledigt zu sehen. Dieser Vorschlag geht dahin, m das jährliche Erträgniß der Ritter Stiftung an erster Stelle zur Gründung einer neuen außerordentlichen Professur in der philosophischen Facultät zu verwenden, unter der Bezeichnung „Ritter-Professur für Phylogenie“, und dieselbe zunächst dem hiesigen Privat-Docenten Dr. Arnold Lang unter nachstehenden Bedingungen zu übertragen:||

Ritter-Professur für Phylogenie

1. Der n Inhaber der Ritter-Professur für Phylogenie ist verpflichtet, in jedem Semester ein Collegium über phylogenetische Zoologie anzukündigen, nach Vereinbarung mit dem ordentlichen Professor der Zoologie, welchen er auch eventuell o zu vertreten hat (insbesondere im Zoologischen Laboratorium).

2. Der „Ritter-Professor“ ist verpflichtet, im Monat Mai jedes Jahres p in der Aula q(etwa am 2. oder 3. Sonnabend dieses Monats) eine öffentliche, durch eine besondere gedruckte Einladung des Decans angezeigteq „Ritter-Vorlesung“ zu halten, in r welcher ein s phylogenetisches Thema allgemein verständlich dargestellt wird.

3. Der Ritter-Professor ist in allen übrigen Beziehungen den außerordentlichen Professoren der philosophischen Facultät gleichgestellt und als solcher im Personal Verzeichnisse der Universität aufgeführt. Durch die officielle Bezeichnung Ritter Professur soll in Deutschland die bisher nicht geübte Sitte eingeführt werden, den Namen großherziger Stifter durch die von ihnen gegründete Sache in würdigster Weise zu verewigen.||

Über die Person und die wissenschaftliche Befähigung des Herrn Dr. Arnold Lang habe ich bereits im vorigen Jahre, gelegentlich seiner Habilitation, in dem von der philosophischen Facultät t verlangten Gutachten, mich so ausführlich geäußert, daß ich mich uhieru darauf beziehen kann. Ich füge nur noch hinzu, daß v Herr Dr. Lang w seit dem die an ihn geknüpften Erwartungen vollständig erfüllt hat, x und daß sowohl seine theoretische Vorlesung als auch besonders seine praktische Wirksamkeit im Zoologischen Laboratorium die vollste Anerkennung verdienen. Die beabsichtige Anwartschaft auf eine zoologische Professur hatte sich derselbe bereits auch durch sein großes y ausgezeichnetes wissenschaftliches Arbeiten, insbesondere seine große Monographie der Polycladen (688 pg. 4° und 39 Farb Druck Tafeln) erworben. Da Herr Dr. Lang z(jetzt 32 J.)z aakein Vermögen besitzt und nur mit Mühe die Mittel zur academischen Laufbahn erhält,

bb schlage ich vor, demselben aus der Ritter Stiftung ein Gehalt von 2000 Mk zu gewähren. cc Im Übrigen dürfte sonst das Gehalt der Ritter-Professur (je nach den persönlichen Verhältnissen des Inhabers) auf 1000-2000 Mk zu normiren sein.

In ausgezeichneter Hochachtung

a gestr.: ganz ergebenst; b gestr.: entsprechend; c.korr. aus: einzu; d gestr.: Indem ich mir vorbehalte d,; e eingef.; f eingef.; g gestr.: zu entwerfen; h eingef.; i gestr.: unterbreiten; j eingef.; k eingef.; l gestr.: nicht; m gestr.: aus den; n gestr.: Vertreter; o gestr.: zu; p fälschlich gesetztes Einfügungszeichen; q Einf. mit Einfügungszeichen; r gestr: welche; s gestr.: Gegenstand; t gestr.: genau; u eingef.; v gestr.: sich; w gestr.: wieder; x gestr.: die seine;

y gestr.: tüchtiges; z eingef.; aa gestr.: gar; bb gestr.: ohne auch; cc gestr.: Im Allgemeinen Xxx Je nach.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
31-05-1886
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46648
ID
46648