Ritter, Paul von

Paul von Ritter an Ernst Haeckel, Basel, 21. Mai 1886

Basel

8 Schärtlingasse

21 Mai 1886

Hochgeehrter Herr Professor,

Soeben wird mir Ihre geehrte Zuschrift vom 19. Mai 86 behändigt.

Da ich meinerseits in alle Ihre Vorschläge eingegangen bin, so wünsche ich noch nachträglich folgendes ins Besondere hervorzuheben:

1. daß nur die Rein erträgnisse des Stiftungskapitales zu dem bezeichneten Zwecke benutzt werden möchten. –

2. Das Stiftungskapital darf unter keinen Umständen zersplittert werden. –

3. Ihr zukünftiger Nachfolger ist zu verpflichten || dieselben wissenschaftlichen Ziele einzuhalten.

Es wäre nicht schlecht und für die Angelegenheit sehr fördernd falls Sie sich entschlössen ein Project für die gegenwärtige und zukünftige Benutzung der Reinerträgnisse des Stiftungskapitals auszuarbeiten und es den Obrigkeiten zu unterbreiten. –

Sobald man bedenkt daß seit Democritos 20.000 Jahre vergangen sind ohne daß die Menschheit sich die Mühe nahm nach ihrem Ursprunge nachzudenken, so muß man Ihnen und Charles Darwin || das größte Lob und die größte Bewunderung schenken, dieses träge Thier zu neuem Leben elektrisiert zu haben. –

Die Kiste mit den Büchern ist noch nicht angekommen, aber ich werde sofort Nachfrage halten. –

Da ich mit vielen Schreibereien von nah und fern überhäuft bin, – so kann ich augenblicklich gar nicht daran denken nach Jena oder Weimar zu kommen. –

Es ist auch anständiger alles der Zeit zu überlassen || bis die Wetter der Neugier zusammenschlagen.

Für Ihre und Ihrer lieben Frau freundliche Einladung bei Ihnen in Jena abzusteigen, sage ich meinen herzlichen Dank, aber sobald ich nach Jena käme würde ich es vorziehen in einen Hotel abzusteigen, was ich gütigst zu entschuldigen bitte. –

Indem ich Ihre freundlichen Grüße aufs Herzlichste erwidere, zeichne ich mit Hochachtung und Ergebenheit.

Paul von Ritter

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
21-05-1886
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46637
ID
46637