Lendenfeld, Robert von

Robert Ignaz Lendlmayer Edler von Lendenfeld an Ernst Haeckel, London-South Kensington, 9. Juni 1886

BRITISH MUSEUM (NATURAL HISTORY)

CROMWELL ROAD

SOUTH KENSINGTON, S. W.

9. Juni 86.

Geehrter Herr Professor,

Ich muss mich für den freundlichen Brief bestens bedanken, welchen Sie in der Stunde der Noth an mich gerichtet haben.

Ich arbeite jetzt hier. Habe alle meine Sachen – 15 Kisten – die in gutem Zustande sind ausgepackt, und Serien meiner neuen Arten an das British Museum verkauft. || Da auch einige andere Sachen, Insekten, und Cruster für werthvoll befunden worden sind, so habe ich doch genug vorläufig bekommen um fortzukommen.

Ueberdies arbeite ich an den Leuchtorganen der Tiefseefische für den Challenger Report, wofür ich auch etwas bekommen soll. Dr. Günther hat mir diese Arbeit anvertraut.

Ich habe einige Serien von Medusenpraeparaten, die Sie vielleicht für || die Jenaer Sammlung brauchen könnten und offerire dieselben daher Ihnen. Es sind:

Crambessa mosaica H.

3 mm Polyphystomen

15 mm Larve

30 mm Larve

Ausgewachsenes Exemplar (klein)a

Phyllorhiza punctata RvL

Kleine Polyphystomen

3 mm Ephyra

15 mm Larve

5 Praeparate zur Demonstration der von mir entdeckten Veränderung der Randkörper Anzahl während der Entwickelung,

30 mm Larve

Mundarme einer erwachsenen

Schirmsector einer Erwachsenen ||

Pseudorhiza aurosa RvL

Aurelia coerusea RvL

Cyanea annaskala RvL

in ganzen Exemplaren sowie Rand Körper Genitalorgane, Mundarme etc., Gold und Osmiumpraeparate alles in bester Erhaltung für histologische Arbeiten.

Ausserdem habe ich kleine Hydromedusen. Turritopsis late, Eucape hyalina etc, die Sie vielleicht auch brauchen könnten, sowie schöne gut erhaltene Spongien.

Sollten Sie in der Lage sein mir etwas abzunehmen so bitte ich Sie mir Ihre Desiderata ge- || fälligst bekannt geben zu wollen.

Ich habe auch nach dem Leben gemalte Bilder von einigen Medusen.

Mit grosser Freude habe ich gehört, dass Sie eine große Erbschaft gemacht haben und es gereicht mir zu besonderer Genugtuung um so etwas zu hören, indem gewöhnlich solche Gelder nicht in die Hände jener kommen, die dieselben auch wirklich fruchtbringend zu verwerthen verstehen. || Haacke schreibt mir von Adelaide, dass es ihm sehr schlecht geht, er ist wirklich sehr zu bedauern und verdient ein besseres Schicksal – aber wie soll ich ihm helfen, der ich mir selber kaum helfen kann.

Ich hoffe im Lauf der Zeit mit der Aufarbeitung der Spongien im British Museum beauftragt zu werden. Das Material ist bedeutend, aber schlecht konservirt und in entsetzlicher Unordnung. Es wäre für einen Theil der Sammlung gut die Themse nach South Kensington abzuleiten!

Ihr ergebenster

R. v. Lendenfeld

a eingef.: klein

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
09-06-1886
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46599
ID
46599