Eggeling, Heinrich von

Heinrich von Eggeling an Ernst Haeckel, Jena, 28. März 1908

DER KURATOR

DER GROSSHERZOGL. UND HERZOGL. S. GESAMT-UNIVERSITÄT

JENA.

JENA, DEN 28. März 1908.

Abschrift.

Den Empfang der Eingabe vom 20./23. dieses Monats bestätigend, beehre ich mich auf dieselbe ergebenst zu erwiedern, dass mir nicht zusteht, bezüglich der Verwendung der Erträgnisse der von Herrn Dr. Paul von Ritter errichteten Stiftung Anträge zu stellen, geschweige denn irgendwelche Verfügung in dieser Beziehung zu treffen.

Nach § 2 der Urkunde der Stiftung ist das Reinerträgnis des Stiftungskapitals, vorbehaltlich der Genehmigung der Großherzoglich und Herzoglich Sächsischen Staatsregierungen nach freiem Ermessen des jeweiligen Ordinarius für Zoologie an der hiesigen Universität im Sinne des Stiftungszweckes zu verwenden. Dieser Zweck aber ist, die Forschung auf dem Gebiete der heutigen Entwickelungslehre zu fördern.

Als im Interesse solcher Förderung der Vorschlag gemacht wurde, ein besonderes Extraordinariat für Zoologie zu errichten und aus den Erträgnissen der Stiftung mit 1500 M bis höchstens 2000 M zu dotieren, fand dieser Vorschlag die Genehmigung der Großherzoglich und Herzoglich Sächsischen Regierungen.

In besonderer Berücksichtigung Ihrer Verhältnisse ist auf späteren Vorschlag auch die Erhöhung Ihres anfänglichen Gehaltes von 1500 M auf 2000 M und dann auf 2400 M jährlich genehmigt worden. ||

Ob Seine Exzellenz der Wirkliche Geheime Rat Professor Dr. Haeckel mit der ihm obliegenden Wahrnehmung des Stiftungszweckes vereinbar erachten könnte, eine nochmalige Erhöhung der Besoldung des Inhabers der Ritter-Professur in Vorschlag zu bringen, und ob solcher Vorschlag Höhere Genehmigung finden möchte, erscheint mir recht zweifelhaft.

Seiner Hochwohlgeboren

Herrn Professor Dr. Ziegler

hier. ||

Abschrift dieses Schreibens und der Eingabe des Herrn Professor Ziegler ist

Seiner Exzellenz

Herrn Wirklichen Geheimen Rat Professor Dr. Haeckel

hier

zur gefälligen Kenntnisnahme vorzulegen.

Eggeling ||

[Beilage]

Abschrift. 632 pr. 23/III.08.

Jena, den 20. März 1908.

Hochgeehrter Herr Geheimer Staatsrat!

Als ich im vorigen Jahre die Ehre hatte mit Ew. Exzellenz zu sprechen und um eine Erhöhung meines Gehaltes von 2400 auf 3000 M nachzusuchen, antworteten Ew. Exzellenz, dass es gewiss nicht den Intentionen des Herrn Dr. von Ritter entspreche, dass mir eine solche Gehaltserhöhung bewilligt werde. Als Herr Geheimrat Prof. Haeckel für mich diese Erhöhung beantragte, haben Ew. Exzellenz den Antrag abgelehnt.

Ich habe nun an Herrn Dr. von Ritter geschrieben und bei ihm angefragt, ob die in Rede stehende Gehaltserhöhung wirklich seinen Intentionen zuwiderlaufe. In seiner Antwort spricht er den bestimmten Wunsch aus, dass mir „für die der Phylogenie geleisteten wissenschaftlichen Arbeiten“ diese Erhöhung des Gehaltes bewilligt werde. Er richtet direkt an Ew. Exzellenz das Ersuchen in dieser Weise zu verfügen. Ich bin bereit Ew. Exzellenz das Schreiben vorzulegen.

Gestützt auf den Antrag des Geheimrat Haeckel, Exzellenz, und auf den ausdrücklichen Wunsch des Herrn Dr. Paul von Ritter erlaube ich mir an Ew. Exzellenz die dringliche Bitte zu richten, mir die in Rede stehende Gehaltserhöhung auf 3000 M zu gewähren.

Wenn in diesem Fall kein rechtlicher Anspruch auf diese Gehaltserhöhung besteht, so können doch eine Reihe von Billigkeitsgründen geltend gemacht werden. Gerade in jetziger Zeit ist ja auch bei anderen Extraordinariaten die Notwendigkeit anerkannt worden, die niedrigen Gehälter in einer Weise aufzubessern, welche dem sinkenden Geldwert || und den erhöhten Preisen aller Lebensbedürfnisse entspricht.

Im vorliegenden Fall ist aber auch meine nahezu zehnjährige Lehrtätigkeit in Betracht zu ziehen (ich kam nach Jena im Herbst 1898). Ein Teil der wichtigsten Vorlesungen meines Faches war mir übertragen, abgesehen davon, dass ich noch eine Reihe von Spezial-Vorlesungen gehalten habe. Aus dem von mir geleiteten zoologischen Laboratorium ist eine große Zahl von Arbeiten hervorgegangen, sodass dasselbe in Bezug auf die wissenschaftlichen Leistungen den besten Instituten in Deutschland (Leipzig, München, Marburg) gleichzustellen ist.

Zum Schluss sei mir noch eine Bemerkung gestattet, welche die Ritter-Stiftung betrifft. Falls der Einwand gemacht würde, dass die Mittel der Stiftung zu der in Rede stehenden Gehaltserhöhung nicht ausreichen, so wäre darauf zu verweisen, dass die Erhalterstaaten seit Jahrzehnten das Aversum des Zoologischen Institutes niemals erhöht, sondern das Institut mit seinen steigenden Bedürfnissen stets auf die Ritterstiftung verwiesen haben. Die Ritter-Professur gehört aber zu den ältesten Einrichtungen der Ritter-Stiftung, und eine zeitgemäße Dotierung der Ritter-Professur würde also zweifelhaft eine dem Stiftungs-Zweck entsprechende Verwendung der vorhandenen Mittel sein.

Falls etwa die Ansicht besteht, dass ich über ein bedeutendes Privatvermögen verfüge, so dass eine Gehaltserhöhung überflüssig wäre, so muss ich noch bemerken, dass die Rente meines Privatvermögens nur noch 400 M jährlich beträgt, da ich einen großen Teil meines Vermögens in der Studienzeit || und in der Privatdozenten-Zeit aufbrauchen musste.

Mit größter Hochachtung

Ew. Exzellenz ergebener

(gez.) Heinrich Ernst Ziegler.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
28-03-1908
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46588
ID
46588