Schild, Johann

Johann Schild an Ernst Haeckel, Padang, 11. November 1901

Padang, 11. November |

1901

Sehr geehrter Herr Professor,

Seit meinem letzten Schreiben vom 31. October erhielt ich Ihren Brief vom 30. September, aus welchem ich mit freudiger und dankbarer Ueberraschung erfuhr, daß mir der Orden vom „Weissen Falken“ verliehen worden sei. –

Indem ich Sie, den Urheber dieser Auszeichnung, meines tiefgefühlten Dankes versichere, gebe ich zugleich meiner Freude über dieselbe Ausdruck. Ein Orden wird hier namentlich in den Kolonien hochgeschätzt, und hebt mit mir zugleich auch das Ansehen des hiesigen deutschen Konsulates. Möge es mir noch gegeben sein, Ihnen mit dem Gefühle der Dankbarkeit durch Beschaffung von interessanten Objekten Vergnügen zu bereiten. Da mir nichts angenehmer sein würde, bitte ich Sie, mich durch Angabe ihrer speziellen Wünsche in die Möglichkeit zu versetzen, Ihnen auf diese bescheidene Weise meine Erkenntlichkeit zu beweisen. Es wird mir jederzeit eine große Freude || sein, auf diese Weise fördernd wirken zu können dürfen.

Auf Ihren Brief vom 30. September hin habe ich mir mich sofort, wesentlich unterstützt durch Ihren Hinweis auf Figur 860 im Lewis, nach der Käferschnecke umgesehen. Mit der größten Leichtigkeit – (ich zeigte einem Fischer einfach Figur 860) − konnte ich bereits Tags darauf etwa 30 Exemplare erhalten, und hat es mich sehr interessiert, zu erfahren, daß also dieses Thier den chinesischen „Pau-Hie“ Leckerbissen liefert. Ich glaube hier mit einer Art Chiton fascicularis zu thun zu haben. Bei einigen Exemplaren sind die Panzerplatten vorn mit Borsten bedeckt, und scheinen auch einige Schmarotzer aufzusitzen.

Mein malayischer Freund, der Taucher, zog neulich ein Thier aus dem Emmahaven, welches ich nach Lewis als einen Haliotis erkannte, jedoch als eine Abart der in im § 747 beschriebenen. – Gestern erhielt ich 10 Kalongs, worunter einige Prachtkerle.

Ich sah dieser Tage in einem chinesischen Laden wieder einige Delikatessen – (horrible dictu) − , „Jo-Ho“, „Ba-Tjat“, „Ow“ und sende heute ein paar Stück zum Spaß. Die übrigen Gegenstände werde ich in der ersten Dezember Woche || nach Hamburg verladen, da früher keine direkte Gelegenheit ist; zugleich geht dann auch die Reisscheune ab.−

Sumatra`s Westküste hat der Königin Wilhelmina gelegentlich ihrer Vermählung Modelle malabarischer Häuser geschenkt. Diese Häuser sind von malayischen Künstlern in Silber filigran gearbeitet, und wurden kürzlich erst fertig. Ich sende Ihnen heute eine Photographie davon, und sehen Sie daher diese Gebäude eher als die Königin, denn die Sachen gehen erst nach Batavia, um zugleich mit anderen Erzeugnissen malayischer Kunst von dort nach Holland gesandt zu werden.

Den genannten Büchern und der illustrierten „Insulinde“ sehe ich mit viel Vergnügen entgegen.

Dr. Stibbe werde ich dieser Tage Ihre Grüße melden und ihm gleich die völlige Genesung Ihres Beines mittheilen. –

Indem ich nun meinen aufrichtigen Dank wiederhole und hoffend, daß Sie meinen Sammeleifer tüchtig in Anspruch nehmen, verbleibe ich, sehr geehrter Herr Professor

mit vorzüglicher Hochachtung

stets ergebener

Schild

Der Orden wurde mir vor einigen Tagen vom Generalkonsulat Batavia zugesendet.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-11-1901
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 46511
ID
46511