Bartholomäus von Carneri an Ernst Haeckel, Wien, 17. Februar 1885
Wien 17. Febr. 1885.
Hochverehrter Freund!
Alle Tage will ich Ihnen in meinem und Fritzi’s Namen für Ihren lieben, lieben Brief danken, aus dem Ihr ganzes Herz spricht. Allein von den Vorbereitungen zur Trauung, die vielleicht schon im März stattfindet, und vom Reichsrath bin ich derart in Anspruch || genommen, daß ich Ihnen nur im Geiste die Hand drücken kann. Daß es aus ganzer Seele geschieht, wissen Sie.
Finden Sie Zeit, so lesen Sie den mitfolgenden Aufsatz, dem bald eine Besprechung des neuesten englischen Moralisten Leslie Stephen folgen wird, womit ich meine Unterscheidung zwischen Sittlichkeit und Moral ohne Rest durchgeführt || zu haben hoffe.
Möchten diese Zeilen Sie und Ihre Lieben im besten Wohlsein antreffen! Uns geht’s gut, von Fritzi wie von mir die herzlichsten Grüße und für’s Leben in Treuen
Ihr
dankbar ergebener
B. Carneri