Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 24. Juni 1862

Jena 24. 6. 62.

Liebe Mutter!

Beifolgender Brief an Vater ist auch an Dich mit geschrieben und ich füge bloß noch auf ausdrückliches Verlangen die Versicherung hinzu, daß ich auch als Professor Dich noch grade so lieb haben und grade ebenso Dein getreuer und nichtsnutziger Sohn sein werde, wie als Dr. und Privatdocent! Daß es mir gut geht, brauche ich Dir nicht erst zu versichern! Ich lebe schon in lauter Zukunft und baue ein schönes goldnes Luftschloss nach dem andern. Hoffentlich werden sie alle zu Wahrheit. Wie allerliebst wird das sein, wenn ihr euren Jungen als glücklichen Ehemann und Professor nächsten Sommer an seinem eigenen Heerde besucht und euch in der reizenden Natur mit ihm seinesa Glückes freut. Hoffentlich finde ich auch noch bald eine passende Wohnung. Ich werde wahrscheinlich schon am 5 oder 7 August meine Vorlesungen schließen und am 8 oder 9 nach Berlin kommen. Es wäre also dann immer noch Zeit, einen Hochzeitsanzug zu besorgen, falls ihr einen für nöthig haltet. Indeß ist meine gute schwarze || Hose und der Frack noch so gut, daß ich einen neuen für überflüssig halte. Wenn ihr aber doch darauf besteht, so halte ich es für besser daß Du mir das Zeug her schickst und daß er hier gemacht wird, da ich hier einen recht guten und billigen Schneider habe. Keinenfalls will ich die Sachen von Zack gemacht haben, der mir die letzten vollständig verpfuscht hat. – Einen Heiraths- Consenz von Vater habe ich hier nicht nöthig. Ich habe mit dem Universitätsprediger, Kirchenrath Schwarz, der uns hier aufbieten wird, gesprochen, und dieser meinte, es wäre das Einfachste, daß Richter, der uns in Berlin trauen wird, an ihn officiellb schriebe, es wäre dort Alles in Ordnung und stünde von Seiten der Eltern kein Hinderniß entgegen. Sprecht also möglichst bald mit Richter. Einliegenden Brief bitte ich in ein Couvert zu stecken und baldigst in die Druckerei von Georg Reimer abgehen zu lassen. Vielleicht spricht Vater selbst mit Georg. Den Brief an Richter gebt ihr ihm wohl selbst. Schreibe recht bald wieder Deinem immer noch mit der alten Liebe Dich herzlichst liebenden, treuen Sohn

Ernst Hkl.

a korr. aus: eures; b eingef.: officiell;

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
24-06-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 37768
ID
46141