Lötzbeier, Robert

Robert Lötzbeier an Ernst Haeckel, Dresden, 29. Dezember 1908

Dresden. A. den 29. XII 1908.

Wintergartenstr. 35.

Sr. Exzellenz

Herrn wirkl. Geheimrat Prof. Dr. Ernst Haeckel

Jena.

Hochverehrter Herr Geheimrat!

Vor Allem bitte ich gleich eingangs um Entschuldigung, wenn ich mir die Freiheit nehme Ew. Exzellenz mit diesem Schreiben zu belästigen.

Aber nur der Ausdruck meiner tiefsten, innersten Entrüstung über die in hiesigen und sicher auch in anderen deutschen Zeitungen enthaltenen Notiz (laut Einlage) drängt mich dazu an Ew. Exzellenz zu schreiben.

Ich habe lange gezaudert, ob ich Ew. Exzellenz von diesen Schmähungen in Kenntnis setzen solle, jedoch der Gedanke, daß Mancher, der Sie aus Ihren Werken noch nicht so kennt, als daß ihm das Gekläff, das aus gewissen Kreisen immer wieder gegen Sie, Ihre Werke, Arbeiten, überhaupt gegen Alles, was mit Ihrer Person zusammenhängt, doch wohl noch wankelmütig machen kann, drängt mir die Feder in die Hand und macht es mir zum Herzensbedürfnis Ew. Exzellenz von diesen Zeitungsnotizen Nachricht zu geben, damit eine Entgegnung bzw. eine || Benachrichtigung gebracht werden kann.

Ich bin Kaufmann, daher auf naturwissenschaftlichem Gebiet Laie, aber die Erkenntnis habe ich mir durch das begeisterte Studium Ihrer Werke erworben, daß das Fundament aller Ihrer Werke die reinste, lauterste Wahrheits- und Menschenliebe ist, welche keine Kompromisse und keine Vertuschungen duldet & diese Überzeugung wird mir Herr Brass (der wohl auch aus Godesberg stammt & was könnte aus Godesberg Gutes kommen?) sicherlich niemals rauben können. –

Jedoch Mancher, der die Absichten & treibenden Factoren gewisser Herren nicht kennt, möchte doch durch solche Notizen irre werden & darum drängt es mich der Person & der hohen Sache wegen Ew. Exzellenz anheimzustellen etwaige Berichtigungen in den betr. Zeitungen, welche diese Notiz gebracht haben, laut Preßgesetz zu verlangen. – – –

Schon vor einigen Jahren erdreistete ich mich Ew. Exzellenz meinen Dank zum Ausdruck zu bringen, daß Sie mir in Ihren Werken das Höchste geschenkt haben, was ich || jetzt mein Eigen nenne eine Lebensanschauung in a des Wortes idealster Bedeutung.

Und so möchte ich mein heutiges Schreiben nicht schließen, um Ihnen immer wieder aufs Neue meine Ehrfurcht und meinen herzlichsten Dank zu bezeugen. –

Mir steht noch eine große Freude in Aussicht, da ich gewiß nicht fehlen werde, wenn Ew. Exzellenz am 12. Februar die Darwinrede im dortigen Volkswohlsaale halten werden. –

Ist es doch schon seit Langem mein Herzenswunsch Ew. Exzellenz von Angesicht zu Angesicht sehen & sprechen zu hören.

Und darum mögen Sie uns um der großen Sache der monistischen Bewegung & dem Kampf der sich wohl noch in heftigster Weise abspinnen wird, noch recht lange erhalten bleiben.

Dies wünscht aufrichtigsten Herzens am Ende des Jahres 1908

Ihr dankbarer & ergebener

Robert Lötzbeier

Einlage!

a gestr.: daß

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
29-12-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 44903
ID
44903