Geheeb, Paul

Paul Geheeb (Berliner Alkoholgegnerbund) an Ernst Haeckel, Berlin, 9. November 1897

BERLINER ALKOHOLGEGNERBUND.

Berlin W, 9.XI.1897

Nettelbeckstr. 21.

Hochverehrter Herr Professor,

Gestatten Sie mir, Ihnen eine Bitte auszusprechen, zu welcher mich die Erinnerung an eine Unterhaltung ermutigt, in der Sie mir – in Jena – sagten, daß Sie vor Ihrem 18. oder 20. Lebensjahre keine alkoholischen Getränke genossen, u. daß Sie den Alkoholgenuß der Kinder entschieden verurteilten. Würden Sie wohl die große Güte haben, Ihre Zustimmung zu der beifolgenden Petition durch Ihre Unterschrift zu erklären u. den Bogen freundlichst an mich zurück-||zusenden? – –

Bei dieser Gelegenheit darf ich Ihnen wohl erzählen, daß mein Vater im vergangenen Frühling seine Apotheke verkauft hat u. seitdem sich ganz seinen bryologischen Arbeiten, in Freiburg i. Br., widmet. Kürzlich sandte er mir eine Abhandlung „Nouvelles additions aux Flores bryologiques de l’Australie et de la Tasmanie“; inzwischen hat ihn die Untersuchung zahlreicher exotischer Filicineen beschäftigt, u. demnächst werden „Weitere Beiträge zur Moosflora von Neu-Guinea“ (mit 21 Tafeln) folgen. Es macht mich sehr glücklich, meinen Vater endlich ganz der Arbeit gewidmet zu wissen, welche ihn allein befriedigt; die || Apothekerei war ihm immer zuwider. –

Ich selbst werde wahrscheinlich im kommenden Frühjahr auf 1–2 Jahre (als Lehrer) auf eine Estancia in Uruguay, weit von aller Kultur, zwischen Urwäldern u. Prärieen gelegen, gehen u. hoffe, dort auch recht fleißig Moose sammeln zu können. –

Gestatten Sie, hochverehrter Herr Professor, daß ich Ihnen im voraus für Ihre Mühe danke u. mit den herzlichsten Wünschen für Ihr Wohlergehen schließe!

In besonderer Hochachtung u. Verehrung

Ihr sehr ergebener

Paul Geheeb.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-11-1897
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 44866
ID
44866