Halle, den 23. Jan. 1852.
Lieber Ernst!
Hoffentlich ist es ein Mißverständniß, oder wenigstens Übertreibung, daß Du an einer Krankheit am Fuße darniederliegen sollst. Ich hörte dies nämlich von Dorendorf. Allein auf dessen Nachrichten gebe ich nicht mehr als auf ein ausgeblasenes Ei oder auf a eine getrocknete und zusammengeschrunzelte Pflanze eines ῥιζοτομικος. Gleichwohl wollte ich mich von dem Ungrunde dieses Gerüchtes völlig überzeugen. – Es that mir Leid, Dich an Weihnachten nicht zu treffen, aber ihr Schulfüchse hattet auch verteufelt lange Ferien. Da faullenzen diese Leutchen und reisen in den Ferien in der Welt herum, anstatt zu Hause zu bleiben u. sich aufs Examen vorzubereiten; u. dann sollen die gebratenen Tauben ins Maul hineinfliegen! Höchstwahrscheinlich wirst Du gar nicht zum mündlichen Examen zugelassen und brauchst also den Matth. gar nicht. Aber wenn auch, jedenfalls kann es Dir nichts schaden, || etwas über die Gesätze des Dänkens zu dänken. Ich habe jetzt eine sonderbare u. schreckliche Alternative vor mir, entweder mit Hülfe eines Industrieritters binnen 14 Tagen frank und frei herum zu reisen, oder – wenn dies weniger der Fall sein sollte, so – – – Man könnte sich wahnsinnig daran denken! Indessen das weniger. Gehabb Dich einstweilen wohl bis auf Weiteres.
In der Hoffnung, daß an dem Gerüchte Nichts ist, und mit dem Wunsche, daß Gott Deine Studien segnen möge,
Dein alter treuer Freund,
Ludwig Finsterbusch.
NB. Neulich sah ich an einem Sonnabend Buchbinder bereits ¾ auf 12 Uhr hier in Halle. Er muß etwas ungeheuer || Nothwendiges hier haben, denn sonst war es doch wohl noch mit dem Nachmittagszuge Zeit?! ||
Herrn Primaner Häckel | zu Merseburg | durch Gelegenheit
a gestr.: die; b gestr.: t