Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an das Herzogliche Staatsministerium zu Gotha, Jena, 25. März 1866

Herzogliches Staatsministerium!

Jena, den 25ten März 1866.

Erster Jahresbericht des Directors | des zoologischen Insituts der Uni-|versität Jena

und Gesuch um | Bewilligung eines ordentlichen | Jahres-Etats für dasselbe.

In dem außerordentlichen Berichte über die Verhältniße des Großherzoglichen zoologischen Museums, welchen ich im August des verflossenen Jahres einsendete, erlaubte ich mir an das Hohe Staatsministerium die ergebenste Bitte zu richten, dasselbe möge eine außerordentliche Geldbewilligung zur Gründung eines zoologischen Instituts an hiesiger Universität genehmigen. Ein solches Institut, welches den Studirenden der Zoologie Gelegenheit giebt, sich practisch durch eigene Beobachtungen || und selbstständige Untersuchungen mit diesem Studium eingehender vertraut zu machen, existirt gegenwärtig auf allen Universitäten, auf denen überhaupt die Zoologie mit Eifer und Erfolg gelehrt wird. Zu den unentbehrlichen Hülfsmitteln eines solchen Instituts gehören Mikroskope, deren Beschaffung im vorliegenden Falle umso nothwendiger erschien, als das zoologische Museum bisher noch gar kein Mikroskop besaß, und die Mikroskope, welche für die Demonstrationen beim zoologischen Unterricht unentbehrlich sind, jedesmal von dem anatomischen Institute entliehen und dorthin zurückgebracht werden mußten.

Das Hohe Staatsministerium zu Gotha hat auf den erwähnten Bericht hin dreihundert Thaler zur instrumentalen Ausstattung des zoologischen Instituts, und insbesondere zur Anschaffung von Mikroskopen, zu bewilligen geruht und ich spreche demselben hierfür meinen aufrichtigen Dank aus. Ueber die Verwendung dieser Summe im Einzelnen werde ich mir erlauben, den speciellen Nachweiß mit Rechnungsbelegen einzusenden, sobald dieselbe vollständig verausgabt ist. Bis jetzt sind davon angeschafft: ||

I. Ein zusammengesetztes Mikroskop und ein Präparir-Mikroskop, nebst mehreren Loupen und anderen optischen Apparaten vom Mechanikus Zeiss hierselbst für

105 rℓ. 24 sgr. – d.

II. Ein zusammengesetztes Mikroskop und eine Brückesche Loupe vom Mechanikus Schieck in Berlin für

62 " – –

III. Diverse physikalische und chemische Apparate, Reagenz-Gläser etc. von Bauch in Berlin für

44. 19. 6.

IV. Anatomische Instrumente von Birk in Berlin für

7. 7. 6.

Summa

219 rℓ. 21 sgr. – d.

Ferner ist ein drittes zusammengesetztes Mikroskop bestellt und eine Anzahl kleinerer Bedürfnisse angeschafft.

Das zoologische Institut ist diesen Winter bereits thatsächlich ins Leben getreten, indem mehrere Studirende, welche sich speciell mit Zoologie beschäftigen, daselbst gearbeitet haben, wobei zum ersten Male die Vorräthe des zoologischen Museums in ausgedehnter Weise benutzt worden sind. Insbesondere ist bereits ein Theil der Sammlung von Seethieren, welche ich im verflossenen Herbste in Helgoland ge-||sammelt habe, als Untersuchungs-Material verwerthet worden. Nächsten Sommer werden die Uebungen fortgesetzt werden.

Ohne irgend einen Anspruch auf eine so ausgedehnte Bewilligung von Geldmitteln zu machen, wie sie den übrigen, für den practischen naturwissenschaftlichen Unterricht bestimmten Instituten, insbesondere dem botanischen und chemischen Institute ertheilt worden sind, glaube ich doch das Hohe Staatsministerium bitten zu dürfen, auch dem zoologischen Institute einen regelmäßigen Jahres-Etat zur Erhaltung und weiteren Ausbildung desselben verleihen zu wollen.

Die unentbehrlichen Hülfsmittel, welche der practische Unterricht in allen Zweigen der Zoologie erfordert, sind leider ebenso kostspielig und complicirt, als diejenigen, welche für die practischen Uebungen in der Botanik erfordert werden. Eine allmähliche Vermehrung der Mikroskope, der anatomischen und histologischen Instrumente ist unerläßlich. Ohne durch einmalige Bewilligung einer größeren Summe zu diesem Zwecke die finanziellen Hülfsmittel der Universität allzu sehr in Anspruch zu nehmen, kann hier durch regelmäßige || Verwendung eines verhältnismäßig geringen ordentlichen Jahres-Etats Vieles geleistet werden. Da das Untersuchungs-Material, welches hauptsächlich aus Thieren und Weingeist besteht, von dem zoologischen Museum geliefert wird, und da somit das Großherzogliche zoologische Museum und das als Universität-Attribut bestehende zoologische Institut in naher Wechselwirkung stehen, so erlaube ich mir der Erwägung des Hohen Staatsministeriums bemerkbar zu machen, inwiefern vielleicht durch eine Vertheilung der Summe, welche ich in dem beifolgenden Gesuche um Erhöhung des ordentlichen Etats des zoologischen Museums nachgesucht habe, auf beide Institute, das Bedürfniß Beider befriedigt, und sowohl der Etat des zoologischen Museums erhöht, als ein selbstständiger Etat des zoologischen Instituts aufgestellt werden kann.

Schließlich erlaube ich mir, das Hohe Staatsministerium darauf aufmerksam zu machen, daß alle dem zoologischen Institute zugewandten Begünstigungen zugleich dem mit dem anatomischen Institute vereinigten histologischen Institute (dem Institute für mikroscopische Anatomie) zu Gute kommen. Ein solches Institut, wie es im letzten Jahrzehnt auf den meisten Universitäten eingeführt ist, besteht auch an der hiesigen || thatsächlich (wenn auch nicht dem Nahmen nach) indem regelmäßig in jedem Sommer (bisweilen auch im Winter-Semester) abwechselnd von dem Director des anatomischen Instituts Herrn Hofrath Gegenbaur und von mir practische Kurse in der mikroskopischen Anatomie des Menschen ertheilt werden.

Da die Zahl der Studirenden, welche dieselben besuchen, in den letzten Jahren regelmäßig gestiegen ist, so reichten dazu die vorhandenen Mikroskope des anatomischen Instituts nicht mehr aus. Ich habe daher bereits in den beiden letzten Kursen meine eigenen 4 Mikroskope mitverwendet und werde von jetzt an auch die Mikroskope des zoologischen Instituts hier mit zur Anwendung bringen. Ebenso kommen die anderen Instrumente des zoologischen Instituts zugleich dem histologischen zu Gute.

In der Hoffnung, daß es dem Hohen Staatsministerium gefallen möge die unserem Universitätsanstalten zugewendete Gunst auch dem neuen zoologischen Institute zu erhalten, bleibe ich in vorzüglicher Verehrung

des Hohen Herzoglichen Staatsministeriums

ergebenster

Dr. Haeckel

Director des zoologischen Instituts der

Universität Jena

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
25-03-1866
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Gotha
Besitzende Institution
LATh-StA Gotha
Signatur
Staatsministerium, Dep. I, Loc. 6 p, Nr. 25, Bd. 1, Bl. 7r-9v
ID
43325