Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Hans Meyer, Jena, 9. Januar 1906

ZOOLOGISCHES INSTITUT

DER UNIVERSITÄT JENA

Jena 9.1.1906.

Lieber Hans!

In Folge unseres Gesprächs (am 16.12.) habe ich dem Curator Geh. Rat Eggeling den Plan für die Gründung eines hiesigen „Ernst-Haeckel-Museums“ mitgeteilt und die Mittel zu seiner Ausführung eingehend besprochen. Er nahm das Project sehr erfreut und wohlwollend auf und besprach dasselbe kürzlich mit unserem Minister in Weimar, Excellenz Rothe; auch dieser äußerte sich sehr günstig. Dir Regierung wird den Bauplatz zum Museum, entweder im vorderen (östlichen) oder im hinteren (westlichen) Garten am Zoolog. Institut, unentgeldlich hergeben und außerdem aus der Carl-Zeiss-Stiftung eine ansehnliche Summe stiften, auch sonst die Ausführung in jeder Hinsicht begünstigen. || Sie setzt jedoch voraus, daß mindestens die Hälfte der erforderlichen Kosten (etwa 50–60 Tausend Mk) durch eine öffentliche Sammlung unter meinen Schülern und Anhängern aufgebracht wird.

Ich habe dem Curator meine Vermutung mitgeteilt, daß sich mehrere sehr wohlhabende Freunde sich an der Sammlung reichlich beteiligen werdena und daßb deren Ertrag wohl auf 20–30 Tausend Mk geschätzt werden kann. Ich selbst wäre bereit 30.000 Mk (– als das Honorar-Ergebniß der „Welträthsel“ –) beizusteuern. Auch die Erträge der „Ritter-Stiftung“ sollen mit herangezogen werden. ||

Der Curator hält es (wohl mit Recht) für das Wichtigste, daß mit der Sammlung für das Museum baldigst begonnen und ein entsprechender Aufruf schon im nächsten Monat verbreitet wird. Zur Unterzeichnung des Aufrufs würden die Namen einiger meiner nächsten Freunde genügen (Lang, Keller, Bölsche, R. Hertwig, Eggeling, Rottenburg, Rautenfeld,c Ziegler etc). Einen unmaßgeblichen „Entwurf“ für den Aufruf lege ich bei. Alles Übrige können wir mündlich besprechen; Du kommst hoffentlich mit Lisi bald einmal her.

Ich wiederhole Dir meinen herzlichsten Dank für die liebevolle Mühe, die Du für diese Stiftung wied für die (mich hoch erfreuende!) Schenkung der Ammerbacher Platte“, meines stillen Lieblings-Platzes) aufgewendet hast. ||

– Die 4000 Mk, die noch aus der „Ritter-Stiftung“ für die Vollendung der „Kunstformen der Natur“ zu entrichten sind, werden im Laufe des Februar ausgezahlt werden.

– Zum 25jährigen Jubilaeum Deiner „Täglichen Rundschau“ sende ich Dir nachträglich meine besten Glückwünsche! Deine schöne Festrede habe ich mit Vergnügen gelesen. An Rippler habe ich eine Karte geschickt.

Morgen sind 15 Jahre seit dem denkwürdigen „Rosenball“, auf dem Du Lisi kennen lerntest verflossen; herzlichste Glückwünsche zu der schönen Erinnerung und ihren Folgen!

Mit besten Grüßen

Dein treuer Papa E. Haeckel

[Beilage]

Entwurf!

Professor Ernst Haeckel vollendet am 16. Febr. d. J. sein 72stes Lebensjahr und zugleich das 90ste Semester seiner akademischen Lehrtätigkeit an der Universität Jena. Zur Ehrung des Jubilars und zur Erinnerung an seine vielseitige wissenschaftliche Wirksamkeit haben mehrere seiner Schüler und Freunde beschlossen, einen Aufruf zur Sammlung für eine „Ernst-Haeckel-Stiftung“ zu veröffentlichen. Der Ertrag dieser Sammlung soll zunächst zur Gründung und Ausstattung eines „Haeckel-Museums“ verwendet werden, das in unmittelbarer Nähe des jetzigen Zoologischen Instituts in Jena errichtet werden soll. Die Räume dieses letzteren haben sich schon längst als viel zu klein für die reichen Sammlungen erwiesen, die Haeckel von seinen zahlreichen Forschungsreisen nach || Jena gebracht hat. Wenn alle Objecte ordnungsmäßig aufgestellt werden sollten, müßten sie den doppelten Raum in Anspruch nehmen. Haeckel hatte daher schon seit längerer Zeit eine Teilung der jetzigen wertvollen Sammlung in der Weise gewünscht, daß die eine Hälfte, die eigentliche Lehrsammlung, in den Räumen des jetzigen Instituts verbleiben, während die andere Hälfte, die öffentliche Schausammlung in einem neu zu errichtenden Museums-Bau untergebracht würde. Letztere sollte das erste Beispiel eines phylogenetischen Museums werden und in einer zusammenhängenden Reihe von Präparaten und Bildern denjenigen Teil der Biologie zur Anschauung und zum Verständniß bringen, || den Haeckel selbst im Ausbau der Darwin’schen Lehren geschaffen und als Stammesgeschichte oder Phylogenie bezeichnet hat. Außerdem würde derselbe diesem Museum auch eine große Anzahl von Kunstwerken und persönlichen Lebens-Erinnerungen zum Geschenk machen.

Die Weimarische Staatsregierung ist bereit, den Bauplatz für das „Haeckel-Museum“, in der unmittelbaren Nähe des Zoologischen Instituts, unentgeldlich herzugeben und auch einen Teil der Kosten für Bau und Ausstattung zu tragen. Sie macht indessen die Ausführung des Projects von der Bedingung abhängig, daß der andere Teil der Kosten von Schülern und Freunden Haeckels aufgebracht wird. ||

Es ist sehr wünschenswert, daß diese Summe schon im Laufe des nächsten halben Jahres durch Zeichnungen sicher gestellt wird, damit bereits im nächsten Herbste die Ausführung des Planes in Angriff genommen werden kann. Das Haeckel-Museum könnte dann innerhalb 2 Jahren ausgeführt und am 75sten Geburtstage des Jubilars, am 16. Februar 1909e eröffnet werden.

(Folgen die Unterschriften zum Aufruf).

Beiträge bitte man an

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einzusenden.

a eingef.: werden; b eingef.: daß; c eingef.: Rottenburg, Rautenfeld,; d eingef.: wie; e irrtüml.: 1879

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-01-1906
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Privatbesitz
ID
43290