Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 13. Februar 1852

Berlin 13/2 52.

Mon cher Frère!

Was kann wohl ein trübseliger Examinando dem andern Besseres wünschen, als ein glückliches Examen. Das soll denn auch mein Wunsch zu Deinem Geburtstage sein, lieber Bruder. Sei nur guter Dinge und büffle nicht zu viel zum mündlichen. Die schriftlichen Arbeiten sind doch immer die Hauptsache. Träume Dich zum 16ten recht aus voller Lust in die schöne Zukunft hinein || die jetzt vor Dir liegt und verscheuche die Examengrillen mit dem Gedanken, daß wir vielleicht über‘s Jahr an diesem Tage uns ein heitres Rendez-vous in irgend einem Gerichtskommissionsneste Sachsens an dem gastlichen Tische unsres Miesekätzchens geben können! –

Ja, siehst Du, zu so kühnen Wünschen schwingt sich selbst ein Landrechts- Examen- Mensch auf, der in Arbeiten dick drin sitzt. Vor Ostern werde || ich kaum Termin haben; glücklichstenfalls kurz vor Ostern. Du triffst mich also jedenfalls noch in meinem – ich hätte bald gesagt: thierischen, jedenfalls nur halbmenschlichen Zustande an, wenn Du mit einem kräftigen I–a, I–a! – als glückliches Maulthier in einigen Wochen, hoffentlich recht bald, in unsre Wohnung trittst.

Ja, mein altes liebes Haus, ich werde mich von || ganzem Herzen freuen, Dich in der neuen thierischen Würde hier zu sehn; nur wünsche ich zu meinem eigenen Wohle, daß der Maulthierstall doch stets so gehalten werden, daß andre Unthiere sich darin noch mit Heu und anderen schätzenswerthen Gegenständen unterhalten und vollpfropfen können.

Ade, lieber Junge, sei recht fröhlich zu 16ten und gedenke

dann Deines

treuen Bruders

Karl.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-02-1852
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 42843
ID
42843