Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 16. April 1919

Jena 16. April 1919.

Lieber Freund Bölsche!

Die beifolgende kleine Votiv-Tafel, welche 14 Charakter-Formen unserer geliebten Radiolarien (– Abgeordnete aller 4 Legionen –) darstellt, ist die verkleinerte photographische Kopie einer 4 mal so großen stattlichen Votiv-Tafel, welche ich vor einem halben Jahre (im Oktober 1918) für Dich komponiert und gemalt hatte. Sie war bestimmt, zusammen mit 4 von mir gemalten Landschafts-Aquarellen (2 rheinischen aus der Eifel und 2 jenenser Skizzen) Dir zu Weihnacht 1918 meine herzlichsten Grüße in’s Riesengebirge zu bringen, und zugleich die besten Wünsche für das rätselvolle Schicksalsjahr 1919, vor dessen verschleierter Pforte wir noch heute zweifelnd (oder verzweifelt!) stehen. || Aber leider hat der Orkan der Deutschen November-Revolution, der die Tiefen unseres modernen Kulturlebens aufwühlte und uns Deutschen vor Allen so schwere Opfer auferlegte, auch meine persönlichen Verhältnisse und Aufgaben stark gestört. Ich konnte die große Votiv-Tafel nicht so vollenden, wie ich gewünscht hatte und mußte mich damit begnügen, mehrere photographische Aufnahmen derselben (in ¼ der natürlichen Größe) zu machen und nebst der beiliegenden Neujahrskarte an einige nächste interessierte Freunde zu versenden. Ich hoffe, daß Du die für Dich bestimmte Karte noch zu Weihnacht erhalten hast; sende Dir aber nochmals zwei Abzüge (einen schwarzen und einen kolorierten). Die große Original Tafel (zugleich mit den 4 Aquarellen) hoffe ich sicher, Dir noch vor Pfingsten (im Juni) schicken zu können.

Treulichst

Dein alter Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-04-1919
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Schreiberhau
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.187
ID
42405