Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 17. April 1918

Jena 17.4.18.

Lieber Freund!

Da Du wohl im nächsten Monat vom Müggelsee nach dem Riesengebirge übersiedeln wirst, möchte ich Dich an Dein freundliches und mir sehr willkommenes Versprechen erinnern, bei dieser Gelegenheit noch einmal einen Besuch in Jena abzustatten. Meine Gesundheit nimmt bedenklich ab, und da wäre es mir sehr erwünscht, noch einmal Vielerlei mit Dir zu besprechen; besonders wegen des Archivs und der größeren Biographie, des Briefwechsels und anderen Nachlasses. Von Mitte Mai bis Anfang Juni wird auch mein Sohn hier sein, der wahrscheinlich zu Ostern 1919 hierher übersiedeln und die Villa Medusa nebst Inventar übernehmen wird. Wenn Du in Berlin unseren Freund Grimsehl sehen wirst, erkundige Dich doch nach dem Projekte unserer gemeinsamen populären Arbeit, des „ Strahlings -Lebens ; Deine künstlerische und psychomatische Darstellung der Radiolarien-Seele wird dafür besonders wertv oll sein. || Ob ich no ch dazu kommen werde, die histo rische Einleitung (mit besonderer Rücksicht auf Johannes Müller und die „Kristallseelen ) fertig zu machen, ist freilich zweifelhaft. Ich muß daran denken, daß mein morscher alter Herzmuskel wohl kaum noch 6 Monate wird arbeiten können.

Mit herzlichen Grüßen an Dich und Deine Familie

treulichst Dein alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-04-1918
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Friedrichshagen bei Berlin
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.184
ID
42401