Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 22. Oktober 1912

Jena 22.10.12.

Lieber Freund!

Auf Deinen lieben Besuch Mitte Decbr. freue ich mich sehr. Meine gewöhnliche (tägliche) Sprechstunde ist Nachm. zwischen 5 und 8 Uhr. Du bist aber natürlich jederzeit willkommen, auch Vorm. zwischen 9 und 1 Uhr. Leider kann ich Dich wegen des leidenden Zustandes meiner Frau nicht einladen bei uns zu essen. – Den Besuch des jungen Malers Hanns Fechner erwarte ich Nachmittags.

Für Deine neuen literar. Sendungen besten Dank. Mit Deiner Ansicht betreffend die Strassen’sche Tier-Psychologie (– ohne Empfindung!! –) bin ich ganz einverstanden; Deine Besprechung von Brehms’ Tierleben (Heck) hat meinen vollen Beifall. || Dein hübscher Aufsatz im „Boten im Riesengebirge“ hat meine alten schlesischen Jugend-Erinnerungen wieder aufgefrischt.

Zu dem glänzenden Erfolge Deines „Kosmos“-Bändchens“ (Abstammung des Menschen) meinen besten Glückwunsch. Du solltest einmal die (– vielseitig seit langem gewünschte! –) populaere Bearbeitung meiner „Anthropogenie“ ausführen (Höchstens 1/4 oder 1/5 des Originalwerks); ich komme leider in meinem invaliden Zustande nicht mehr dazu. Mündlich darüber Näheres!

Mit herzlichsten Grüßen an Dich u. Deine l. Familie

treulichst Dein alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22-10-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Friedrichshagen bei Berlin
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.158
ID
42291