Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 17. November 1905

Jena 17. Novbr. 1905.

Lieber Freund Bölsche!

Gestern habe ich an unseren Freund Bruno Wille mehrere Exemplare des umstehenden Aufrufs geschickt, mit der Bitte, sie Dir und Baege mitzuteilen. Ich halte es für höchst wichtig, daß Ihr drei Friedrichshagener Hauptleute diesen Aufruf unterzeichnet und auch persönlich auf der constituirenden Versammlung erscheint, die wahrscheinlich im Decbr. in Eisenach stattfinden wird. Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten (– namentlich auch der Concurrenz zwischen Leipziger und Jenenser Monistenbund –) ist es endlich gelungen, die Sache in günstiges Fahrwasser zu leiten. Die Leipziger Monisten (– Vorstand Fabrikant Kaufmann –) haben Arthur Teichmann, der sich als ganz untauglich erwies und wohl bloß seine „Freien Glocken“ haben wollte, eliminirt.

Zahlreiche zustimmende Erklärungen sind bereits eingegangen, auch von Freidenker-Vereinen und Monistischen Gesellschaften, davon bereits mehrere Dutzend existieren.

Bedeutende Geldmittel sind uns in Aussicht gestellt. Für Gründung einer neuen Zeitschrift spricht zwar Vieles; aber dagegen auch viele Bedenken. Wichtiger erscheint mir die Organisation der Wander-Vorträge.

Ich selbst kann leider nicht mehr activ mitwirken. Der Zustand meines Herzens und Gehirns (mit böser Schlaflosigkeit etc) ist so miserabel, daß ich meine Vorlesungen habe aufgeben müssen. Ob ich nach Neujahr noch wieder herauskommen werde, ist zweifelhaft.

Mit besten Grüßen, und der herzlichen Bitte, Dich unserer guten Sache warm anzunehmen

Dein treuer alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-11-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Friedrichshagen bei Berlin
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.119
ID
42248