Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 7. Februar 1902

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena

7.2.1902.

Lieber Herr Bölsche!

Beifolgend sende ich Ihnen eine gestern erhaltene Nr. der New Yorker Staatszeitung, vom 19. Januar d. J. Der darin (S. 14) enthaltene Artikel von Robert H. Lowie (Haeckel’s Verhältnis zu America) scheint mir wohl werth, in einer Deutschen Zeitschrift publicirt zu werden, besonders wegen der Betonung des Impavidi progrediamur“. Da ich noch fortgesetzt, neuerdings in verstärktem Maaße, wegen der „Welträthsel“ auf das Gehässigste angegriffen werde, muß ich wünschen, daß auch einmal die andere Seite gehört werde. || Vielleicht entschließen Sie oder Dr. Wille sich, den Artikel im „Freidenker“ zum Abdruck zu bringen, und dazu ein paar einleitende Worte zu schreiben, mit dem Hinweis darauf, daß der „Kampf um die Welträthsel“ immer noch fortdauert, und in England, Nord-America und Frankreich erst jetzt (nachdem die engl. u. französ. Übersetzung vor einigen Monaten erschienen) besonders lebhaft wird. Ich bekomme jetzt täglich zahlreiche Briefe und Drucksachen, die davon Zeugniß ablegen. Dieser Erfolg entschädigt mich reichlich für die fortgesetzten Angriffe, bei || denen sich meistens die „Halben“ und Scheinliberalen noch gehässiger geberden (à la Paulsen), als die fanatischen „Ganzen“ und Stock-Orthodoxen (à la Stöcker).

Falls Sie den Artikel im „Freidenker“ nicht veröffentlichen a sollen, können Sie ihn vielleicht in einer anderen Zeitung unterbringen. Ich möchte um ein Paar Abzüge davon bitten, und um Rücksendung des Originals.

Meinen Brief mit der Zusage der Aquarelle von Insulinde werden Sie erhalten haben.

Mit freundlichen Grüßen, auch an Ihre liebe Frau u. Dr. Wille,

Ihr alter

Ernst Haeckel.

a gestr.: k

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
07-02-1902
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.82
ID
42212