Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Baden-Baden, 12. April 1901

Baden-Baden, 12.4.1901.

Lieber Freund Bölsche!

Für den freundlichen Willkommens-Gruß, den Sie und Ihre liebe Frau mir gestern hierher gesandt haben, danke ich Ihnen von Herzen. Ich bin seit 8 Tagen hier zur 3 wöchentlichen Cur meines Kniegelenks, welches durch einen unglücklichen Fall in Sumatra beschädigt wurde. Leider wurde dadurch der letzte Monat meiner schönen Reise nach „Insulinde“ stark getrübt. Trotzdem bin ich mit den reichen Ergebnissen dieser malayischen Reise sehr zufrieden. 32 Kisten mit wertvollen Sammlungen habe ich nach Jena geschickt. || Hoffentlich kommen Sie im Laufe des Sommers einmal mit Ihrer lieben Frau nach Jena, und sehen sich dieselben an; ebenso die 160 Aquarelle die ich gemalt habe.

Die Rückreise im März verlief bei schönem Wetter sehr gut.

Herzlichen Dank sage ich Ihnen noch für die freundliche Revision der „Malayischen Reisebriefe“. Es folgen noch zwei demnächst: „Sumatra“, und „Die Malayen“.

Am 28. April denke ich nach Jena zurückzukehren u. am 30. meine Vorlesungen zu beginnen. ||

Zu der glücklichen Geburt eines Töchterchens sende ich Ihnen nachträglich meinen herzlichen Glückwunsch. Sie haben nun schöne Gelegenheit, die Gesetze der Vererbung und der Phylogenie an beiden Geschlechtern gleichzeitig zu studiren.

Mit großem Interesse las ich unterwegs die inhaltsreiche „Psychologie der Naturvölker“ von Fritz Schultze (einem früheren Jenenser Collegen) – Leipzig, Veit, 1900.).

Mit freundlichsten Grüßen an Sie und Ihre liebe Frau

Ihr alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
12-04-1901
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.77
ID
42206