Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 28. Oktober 1898

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena, den 28.10.1898.

Lieber Herr Bölsche!

Für Ihr ästhetisch-biologisches Buch über die Liebe in der Natur sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank! Ich habe dasselbe sofort mit größtem Interesse durchgelesen, da ich selbst vor Jahren den Plan hatte, etwas Ähnliches zu schreiben. Sie haben es aber viel besser gemacht als ich gekonnt hätte, besonders hinsichtlich der leichten und schönen künstlerischen Form. Meine derartigen Versuche fallen immer recht schwerfällig aus; der alte „Schulmeister“ steckt mir zu sehr im Blute! ||

Beifolgend sende ich Ihnen meinen Cambridge-Vortrag und bitte Sie zugleich die beiden anderen Exemplare (– nebst Radmenschen-Postkarte! –) an die Gebrüder Heinrich und Julius Hart zu geben, deren Adresse ich nicht kenne.

Meine Absicht, im October noch einen kleinen Abstecher nach Berlin zu machen, und Ihrer freundlichen Einladung zufolge meinem Pathchen die „monistische Taufe“ zu ertheilen (–„In nomine Veritatis, Honestatis et Pulchritadinis“ –) habe ich leider nicht ausführen können; ich muß sie auf nächstes Jahr verschieben. ||

Meine arme Frau ist wieder sehr leidend, so daß ich nicht fort kann. Außerdem giebt es jetzt im Semester-Anfang sehr Viel zu thun!

Die Rede von Virchow in London habe ich nicht gelesen? Wo steht sie?

Über das Porträt Ihres Söhnleins habe ich mich sehr amüsirt. Ich wünsche dem Hoffnungsvollen Erdenbürger von Herzen Alles Gute!

Mit besten Grüßen an Sie und an Ihre liebe Frau Gemahlin

Ihr alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
28-10-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.48
ID
42173