Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 19. Juli 1893

Villa Haeckel. Jena, den 19. Juli 1893.

Lieber Herr Bölsche!

Für Ihre freundlichen Zeilen bestens dankend, beeile ich mich, Ihnen mitzutheilen, daß ich Ihnen die beabsichtigte Beleuchtung des unerhörten Casus Hamann wohl erst im Oktober werde schicken können. Der Prozeß verzögert sich in Folge des umfangreichen Beweis-Materials, das von beiden Seiten gesammelt wird; es wird vermuthlich erst im September zum Austrag kommen. ||

Herr Hamann entpuppt sich – je länger je mehr – als ein nichtswürdiger Streber und frömmelnder Heuchler erster Sorte; die Frechheit seiner Lügen ist unglaublich. Meine schwersten Belastungszeugen gegen ihn sind seine eigenen Briefe. Jetzt schreibt er sogar für das ultramontane Wiener Litteratur Blatt! Meine Freunde theilen Ihre Genugthuung darüber, daß es dabei zu einer principiellen Auseinandersetzung mit der elenden Streberei und Muckerei kommen wird; ich selbst sehe dem Ausgang mit der Gemüthsruhe des besten Gewissens entgegen. ||

Für die freundliche Aufnahme meines Sohnes, der sehr beglückt über den schönen, mit Ihnen zugebrachten Tag schrieb, sage ich Ihnen noch meinen besonderen Dank. Ich hoffe, daß Sie bald einmal mit Ihrer lieben Frau uns in Jena besuchen und mir Gelegenheit geben werden, Ihnen die eigenthümlichen Naturschönheiten unseres Thüringer Universitäts-Dorfes zu zeigen! Zur glücklichen Fortsetzung Ihrer wohlgelungenen „Entwicklungsgeschichte der Natur“ (für deren Zusendung ich bestens danke) sende ich Ihnen die besten Wünsche.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr a

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Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
19-07-1893
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Friedrichshagen bei Berlin
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.24
ID
42149