WILHELM ENGELMANN
VERLAGSBUCHHANDLUNG.
LEIPZIG, 30. Januar.1899.
KÖNIGS-STRASSE 10.
Hochverehrter Herr Professor!
Auf Ihren geschätzten Brief vom Gestrigen beehre ich mich Ihnen ganz ergebenst zu erwidern, daß ich sehr gern bereit bin, das Zustandekommen einer italienischen Uebersetzung der 4. Auflage Ihrer Anthropogenie, durch möglichst billige Lieferung von guten Galvanos der im Text befindlichen Abbildungen, sowie auch den Abdrücken der in Lithographie und Heliogravüre hergestellten Tafeln zu ermöglichen. Bei den Galvanos würde ich den □cm mit 10 Pfg. berechnen, während sonst ca. 20 Pfg. verlangt werden; es verbleibt mir in Folge dessen nur ein sehr geringer Gewinn; mit einem ebenso geringen würde ich mich auch bei der Berechnung der Tafeln begnügen. Den Betrag für die Galvanos werde ich mir erlauben, Ihnen || nach Ihrer Abreise mitzutheilen; es muß zu dem Zweck der □Inhalt der Figurena erst ausgemessen werden.
Der Betrag für die Tafeln dagegen kann erst dann festgestellt werden, wenn ich die Höhe der Auflage genau kenne, dann je größer dieselbe ist, um so billiger stellen sich die Druckkosten. Hierüber, wäre es wohl das Einfachste, wenn ich mich mit dem Verleger direct verständigte; er mir also die entsprechenden Angaben mittheilte und ich ihm dann den Preis meldete.
Hierbei erlaube ich mir noch darauf aufmerksam zu machen, daß es mir nicht bekannt ist, ob H. Adolf Giltsch – Jena die Steine für die lithographischen Tafeln noch aufbewahrt hat. Auftrag habe ich ihm dazu nicht ertheilt. Durch eine kurze Anfrage an Giltschb werden Sie jedoch sofort Aufklärung erhalten. Sollten die Steine bereits abgeschliffen sein, so wäre eine Uebersetzung infolge dessen unmöglich.
Der Absatz der 4. Auflage ist ein sehr langsamer. Bis jetzt dürften ungefähr 400 Exemplare abgesetzt sein. Besonders wundert es mich, daß der Absatz || nach Amerika so gering ist; auch wundert es mich, daß ich gar keine Belege über dort erfolgte Besprechungen erhalte, obwohl ich an mehrere Zeitschriften zu diesem Zweck Exemplare gesandt habe. Können Sie nach dieser Richtung einen kleinen Druck ausüben, so würde ich Ihnen sehr dankbar sein. Uebrigens glaube ich, wird Ihr Werk einen regelmäßigen Absatz behalten, da diejenigen, die auf dem Gebiete der Biologie arbeiten, dasselbe nicht entbehren können.
Zugleich erlaube ich mir die Bitte hiermit zu verbinden, daß wenn Sie wieder einmal für ein größeres Unternehmen einen Verleger nöthig haben, sich dabei der Firma Wilhelm Engelmann erinnern wollen. Sie dürfen versichert sein, daß ich nicht allein für eine gute Ausstattung sorgen, sondern auch dem Vertriebe alle Aufmerksamkeit schenken werde.
Ihnen für Ihren Aufenthalt in Messina guten Erfolg wünschend verbleibe ich
In aufrichtiger Verehrung
Hochachtungsvoll grüßend
Ihr
sehr ergebener
E. Reinicke.
Herrn
Prof. Dr. E. Haeckel
i/ Jena.
a eingef.: der Figuren; b eingef.: an Giltsch