Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Ostwald, Jena, 14. Oktober 1913

Jena 14. Oktober 1913.

Verehrtester Freund!

Beifolgend übersende ich Ihnen den gewünschten Aufruf betreffend die „Ernst-Haeckel-Stiftung für Monismus“, über deren Bedeutung und Begründung wir uns vorgestern in erfreulicher Weise geeinigt haben, als Sie mich mit Herrn Rieß hier durch Ihren Besuch erfreuten. Ich stelle es Ihnen anheim, noch Einiges an dem Aufruf zu verbessern oder zuzusetzen. Was den zweiten Aufruf, für das Ausland, betrifft, so scheint es mir genügend, wenn dem ersten noch die nachstehenden Zusätze angefügt werden. Die geschäftlichen Zusätze überlasse ich Ihnen und Herrn Riess. Um Korrektur-Sendung vor der Publikation möchte ich bitten. || Indem ich Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihren lieben, mich an Sonntag sehr erfreuenden Besuch wiederhole, sowie für die wiederum bewährte umsichtige und unermüdliche Tätigkeit im Interesse unserer guten Sache, bleibe ich in aufrichtiger Verehrung

Ihr ganz ergebener

Ernst Haeckel. ||

Zusatz zu dem Aufruf vom 12.12.1913

Ernst-Haeckel-Stiftung für Monismus

– für das Ausland – .

– ... ausgesprochen.

Auf dem ersten internationalen Monistentage, der im September 1911 in Hamburg stattfand, und der unter starker Beteiligung des Auslandes so glänzenden Erfolg hatte, wurde auf die Erweiterung des Deutschen Monistenbundes zu einem internationalen Bunde hingearbeitet. Dieser universale Monistenbund, welcher durch Zusammenschluß der Freidenker aller Länder eine gewaltige Förderung unserer hohen CulturAufgaben darstellta , wird seine Bedeutung um somehr praktisch bewähren können, ja freigebiger auch unserer Freunde in allen Erdteilen sich an Gaben für die neue Stiftung beteiligen. ||

Ernst-Haeckel-Stiftung für Monismus

Wie mir von mehreren Seiten mitgeteilt wird, beabsichtigt eine Anzahl meiner Freunde, Schüler und Anhänger eine Geldsammlung zu veranstalten, deren Ertrag mir bei Gelegenheit meines 80.sten Geburtstages, am 16. Februar 1914, als Ehrengeschenk zu beliebiger Verwendung überreicht werden soll. Da ich schon mehrmals bei früheren Gelegenheiten durch solche Ehrengaben erfreut worden bin, bitte ich diesmal von allen persönlichen Ehrungen abzusehen und dagegen den Ertrag der beabsichtigten Sammlung dem Deutschen Monistenbunde zur Verfügung zu stellen. Die großartige Entwickelung, welche dieser moderne Culturbund seit seiner Gründung vor 7 Jahren erreicht hat, || die hohe Bedeutung, welche er für die Gewinnung einer freien vernunftgemäßen Weltanschauung, wie für deren praktische Anwendung auf eine höhere sittliche Lebensführung errungen hat, machen dessen finanzielle Unterstützung durch größere Geldmittel höchst wünschenswert. Die beabsichtigte neue „Ernst-Haeckel-Stiftung für Monismus“ soll diese Cultur-Arbeit des freien Geistes, auf der sicheren Basis der Naturwissenschaft, dauernd fördern und ihr zur praktischen Durchführung ihrer zahlreichen wichtigen Aufgaben die nötigen Mittel liefern. Allen Freunden und Gesinnungsgenossen, welche durch Beteiligung daran meine lange Lebensarbeit unterstützen wollen, sei dafür im Voraus mein herzlichster Dank ausgesprochen.

Jena 12. Oktober 1913.

Ernst Haeckel

a korr. aus: bedeutet

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
14-10-1913
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, NL Ostwald
Signatur
1041, 50/23
ID
41426